Niedersachsen strebt "Pakt gegen Salafismus" an

Viele Imame in Deutschland haben Sprachprobleme

Düsseldorf/Berlin (AFP) - Die in Deutschland tätigen Imame haben einer aktuellen Untersuchung zufolge offenbar häufig Probleme mit der deutschen Sprache. Aus einer vom Bundesinnenministerium vorgelegten Studie geht hervor, dass die islamischen Religionsbediensteten ihre Deutschkenntnisse deutlich schlechter einschätzen als die muslimische Gesamtbevölkerung in Deutschland. So gaben lediglich 11,9 Prozent der Befragten an, sie hätten gute Sprechfähigkeiten. 39 Prozent schätzten diese als "mittelmäßig" ein und 7,7 Prozent gaben an, gar nicht Deutsch sprechen zu können.

In Deutschland tätige Imame haben oft Sprachprobleme Bild anzeigen In Deutschland tätige Imame haben oft Sprachprobleme © AFP

Die Defizite bei den Sprachkenntnissen lassen sich der Studie zufolge darauf zurückführen, dass die befragten Religionsbediensteten häufig erst seit kurzem in Deutschland leben. Allerdings zeigten die zumeist in den Herkunftsländern erworbenen Abschlüsse der Imame, dass ihr Bildungsniveau deutlich über dem Durchschnitt der muslimischen Gesamtbevölkerung liegt.

Der Studie zufolge gibt es in Deutschland rund 2350 Moscheegemeinden und so genannte Cem-Häuser der Aleviten. In etwa 2180 islamischen Gemeinden ist regelmäßig ein Imam oder, im Falle der Aleviten, ein Dede tätig. Die in Deutschland tätigen islamischen Religionsbediensteten stehen der Studie zufolge in ihrer großen Mehrheit für einen "dialogbereiten Islam". Zudem äußerten die befragten Imame und Dedes ein außerordentlich hohes Interesse an Fort- und Weiterbildungen. Diese beträfen vor allem den sozialen, beratenden und seelsorgerischen Bereich.

Der Forschungsbericht mit dem Titel "Islamisches Gemeindeleben in Deutschland" wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung erarbeitet. "Mit den Studien ist ein zentraler Punkt des Arbeitsprogramms der Deutschen Islamkonferenz erfolgreich umgesetzt worden", erklärte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

Die nächste Plenarsitzung der Islamkonferenz findet am Donnerstag in Berlin statt. An dem Treffen nehmen Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen sowie muslimischer Verbände teil. Es soll den Dialog zwischen dem deutschen Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen befördern und damit auch die Integration voranbringen.

Unterdessen fordert die niedersächsische Regierung angesichts des kostenlosen Verteilens von Koranexemplaren durch radikalislamische Salafisten in Deutschland Konsequenzen bei der Islamkonferenz in dieser Woche. "Wir brauchen einen Pakt gegen den Salafismus in Deutschland", sagte Innenminister Uwe Schünemann (CDU) der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Deshalb habe er Friedrich gebeten, das Thema auf die Tagesordnung der Islamkonferenz zu setzen.

Friedrich selbst warnte die Salafisten in der "Bild"-Zeitung vor einem Missbrauch der Religion. "Religion darf nicht für ideologische Machtansprüche missbraucht werden", sagt er. Ein Sprecher der reformorientierten muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland sagte der "Bild"-Onlineausgabe, es gelte "für alle die Religionsfreiheit". "Aber es gelten eben auch alle anderen Rechte und Pflichten des Grundgesetzes", fügte er hinzu.

Die Verteilung von Koranausgaben durch Salafisten in Deutschland sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islams. Sie streben nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen islamischen Gottesstaat an, der mit der westlichen Demokratie unvereinbar ist. Die Behörden gehen derzeit von rund 4000 Menschen im salafistischen Umfeld in Deutschland aus.