Mögliche Vorentscheidung:

DFB-Elf empfängt Polen in der EM-Quali

Polen gegen Deutschland: Diese Paarung hat sich in den vergangenen Jahren zum modernen Klassiker entwickelt. Spätestens seit dem knappen 1:0 der DFB-Elf bei der WM 2006 mangelt es nicht an Hitze im Duell der Nachbarn; umso interessanter also, dass das Quali-Spiel am 4. September nun unter umgekehrten Vorzeichen stattfindet.

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Jubelnde deutsche Fans 

© ©istock.com/Leonardo Patrizi

Denn nach sechs Spieltagen liegt Polen mit 14 Punkten auf Platz 1 in Quali-Gruppe D und musste als einziges Team der Gruppe noch keine Niederlage einstecken. Die Löw-Elf allerdings schon, und zwar gegen Polen, das beim 2:0 im Oktober 2014 auch noch Geschichte schrieb, da es der erste polnische Sieg gegen die DFB-Auswahl überhaupt war. In der Folge konnte Deutschland Polen zwar auf den Fersen bleiben und weist nun lediglich einen Punkt weniger auf, der Atem der Schotten (11 Punkte) ist dennoch spürbar, außerdem gibt das starke Torverhältnis der Polen (20:3) Anlass zu einigen Sorgen.
Angesichts dieser Vorzeichen sowie des Tabellenstands dürfte es also hoch hergehen, und zwar sowohl im Stadion als auch auf Wettportalen wie digibet.com. Obwohl Deutschland auf dem Papier als Favorit in die Partie gehen wird, scheint die Lage lange nicht so klar zu sein wie in den Jahren zuvor. Klar ist: Deutschland tritt auf heimischem Boden an, nämlich in der Frankfurter Commerzbank-Arena, und kann auf viele Stammkräfte zurückgreifen, die im vergangenen Herbst entweder verletzt waren oder noch unter WM-Hangover litten. Das ist nun anders: Superstars wie Mario Götze, Marco Reus, Manuel Neuer, Mesut Özil und Bastian Schweinsteiger werden (Stand heute) mit von der Partie sein, und das, bevor die Mehrfachbelastung durch die Champions League begonnen hat.
Polen: Wundertüte mit Potenzial – und Robert Lewandowski
Doch Polen hat sich im vergangenen Jahrzehnt von der grauen Maus zum respektablen Namen im Weltfußball gemausert. Vor allem das schwache Abschneiden bei den Endrunden war immer wieder ernüchternd, die bislang starke Qualifikation gibt jedoch Grund zur Hoffnung, dass die Leistung dieses Mal dauerhaft bestätigt werden kann. Besonders viele Hoffnungen ruhen dabei auf Robert Lewandowski. Der Stürmer in Diensten des FC Bayern gehört zur Weltelite und gilt schon jetzt als vielleicht wertvollster Spieler, den der polnische Fußball je hervorgebracht hat. Allerdings: Bei den DFB-Innenverteidigern Mats Hummels und Jerome Boateng handelt es sich um ehemalige bzw. aktuelle Vereinskollegen Lewandowskis – diese kennen die Stärken und Schwächen des Polen folglich bestens und können sich darauf einstellen.

Im Gegensatz zu früher lebt Polens Elf jedoch nicht mehr nur vom Können einzelner. Bundesligaspieler wie Lewandowski (der erst am vergangenen Spieltag zum Joker des Tages gewählt wurde), Pisczek oder Kuba ragen zwar heraus, sind jedoch nur Bestandteile eines starken Kollektivs; genau dieses macht Polen so unberechenbar, wie das Hinspiel am 11. Oktober 2014 zeigte. Die Torschützen Sebastian Mila und Arkadiusz Milik sind dem deutschen Publikum nämlich nicht gerade geläufig, überzeugten allerdings mit kalter Effizienz – aus zwei Chancen machte Polen schließlich zwei Tore, und auch das ist unbestritten eine Qualität, die man meistens nur bei Spitzenteams sieht.
Zu diesem muss sich Polen allerdings erst noch entwickeln. Zu wechselhaft waren die Vorstellungen der vergangenen Jahre: Sowohl 2010 als auch 2014 nahm das Team nicht an der WM-Endrunde teil, bei der EM 2012 schied man schon in der Gruppenphase aus – und das beim Turnier im eigenen Land. Speziell diese Wunde ist im polnischen Volk noch nicht verheilt und eine bessere Medizin als ein Triumph gegen Deutschland könnte es kaum geben.
Fazit: Trotz der eigentlich recht klaren Rollenverteilung war es selten so schwer, das Ergebnis eines Quali-Spiels vorherzusagen. Bei normalem Verlauf sollte Deutschland als klarer Sieger hervorgehen, allerdings ist Polen für das Weltmeister-Team nicht irgendein Gegner, sondern eben Polen – wer die gemeinsame Geschichte der beiden Nationalmannschaften seit jener Dortmunder Nacht im Sommer 2006 verfolgt hat, der versteht, was damit gemeint ist.