Das SID-Kalenderblatt am 18. Oktober: Der Jahrhundertsprung von Bob Beamon

Köln (SID) - Bob Beamon flog. Er schien gar nicht mehr zu landen. Doch natürlich tat er es. Der US-Weitspringer hopste danach wie ein Frosch aus der Grube, tänzelte wie ein Boxer - und wartete. Es war der 18. Oktober 1968, Olympische Spiele in Mexiko-Stadt, als Beamon mit seinem Sprung auf 8,90 m die Sportwelt aus den Angeln hob.
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Sein Sprung ging in die Geschichte ein: Bob Beamon © SID

Dabei hatte Beamon, gerade einmal 22 Jahre alt, so gar nicht gut geschlafen. Die Aufregung vor dem größten Wettkampf seiner Karriere, die Aufregung um den Ausschluss der weltberühmten Black-Power-Protestler John Carlos und Tommie Smith - dazu seine aufgewühlte Gefühlswelt nach der frischen Trennung von seiner Frau. "Alles lief schief, also bin ich in die Stadt, habe mir einige Tequila genehmigt. Mann, was habe ich mich verloren gefühlt", sagte er einst.

Doch davon war am nächsten Tag nichts zu sehen. Hatte sich Beamon in der Qualifikation erst nach zwei ungültigen Versuchen ins Finale gezittert, gelang ihm gleich im ersten Versuch des Finales der "Sprung des Jahrhunderts", eine der größten Leistungen der Sportgeschichte. Um 55 Zentimeter verbesserte er den Weltrekord, auch wenn er sich vor der Bekanntgabe seiner Weite lange gedulden musste.

Weil ihnen die Leistung so unrealistisch erschien, forderten die Kampfrichter das gute alte Maßband an, erst nach 15 Minuten blinkte 8,90 auf der Anzeigetafel. Doch erst, nachdem ihm jemand die umgerechnete Weite in feet und inches nannte, begann er zu jubeln. Emotional überwältigt gaben seine Beine nach, schluchzend kauerte er auf der Bahn.

Eine Weltkarriere blieb Beamon aber versagt, nie wieder kam er - wie allerdings alle anderen Sportler auch - an seine Weite auch nur annähernd heran. 1973 beendet er seine Karriere, wurde Sozialarbeiter. Erst 1991 in Tokio sprang sein Landsmann Mike Powell mit 8,95 m weiter.

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