Das SID-Kalenderblatt am 19. März 2020: Das "Wunder in der Grotenburg"

Krefeld (SID) - Am Donnerstag jährt sich zum 34. Mal der legendäre 7:3-Erfolg von Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden in der Grotenburg-Kampfbahn im Europapokal der Pokalsieger. "Jungs, auch wenn es aus und vorbei ist, blamiert euch nicht weiter, verabschiedet euch anständig aus dem Europapokal", hatte Bayer-Coach Karl Heinz Feldkamp in der Halbzeit in der Kabine an seine Schützlinge appelliert.
"Wunder-Trainer" in der Grotenburg: Uerdingens Karl-Heinz Feldkamp Bild anzeigen
"Wunder-Trainer" in der Grotenburg: Uerdingens Karl-Heinz Feldkamp © SID

Denn seine Kicker lagen an jenem 19. März 1986 scheinbar hoffnungslos mit 1:3 im Rückstand, die Gäste aus Sachsen hatten schon das Hinspiel 2:0 für sich entschieden. Es ging eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung, 45 Minuten später stand jedoch ein 7:3-Triumph der Werkskicker, die sich in der zweiten Hälfte in einen Rausch spielten und die Dresdner nach allen Regeln der Kunst entzauberten.

"Unfassbar, ich sitze auf Wolke sieben", kommentierte damals Bayer-Präsident Arno Eschler und erhöhte spontan die Prämie für die Bayer-Kicker für den Einzug ins Halbfinale von 7000 auf 10.000 Mark. Das Magazin 11Freunde kürte das Fußball-Wunder von Krefeld sogar zum größten Fußballspiel der Historie, über 200 Journalisten, Trainer und Spieler hatten den Fußball-Thriller ausgewählt.

Dynamo-Spieler Frank Lippmann nutzte das Spiel, um sich von seiner Mannschaft abzusetzen und bei Verwandten in Nürnberg zu bleiben. In der DDR-Presse war schnell von "Verrat" die Rede.

Aufseiten der Dresdner kickten auch die jungen Ulf Kirsten (damals 20) und Matthias Sammer (18) sowie Ausnahme-Libero Hans-Jürgen Dixie Dörner (35), Coach von Dynamo war Klaus Sammer (43). Diesem wurde Lippmanns Flucht zur Last gelegt, er wurde am Saisonende als Chefcoach abgelöst. "Ich persönlich habe es damals abgelehnt, den Job weiterzumachen, weil meine Ablösung nur noch Formsache war. Erich Mielke (Minister für Staatssicherheit, d.Red.) und Manfred Ewald (DDR-Sportchef, d.Red.) haben mich damals als Trainer zum Abschuss freigegeben, da unser Ausscheiden ihrer Meinung nach 'klassenschädigend' war", berichtete Klaus Sammer rückblickend.

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