Das SID-Kalenderblatt am 29. März 2020: Wilhelm Steinitz, der erste Schachweltmeister

Köln (SID) - Den letzten Sieg holt Wilhelm Steinitz in Rekordzeit. Nur 19 Züge benötigt der Österreicher am 29. März 1886, um im "Chess, Checkers and Whist Club" von New Orleans seinen gesundheitlich schwer angeschlagenen Kontrahenten Johannes Zukertort zu bezwingen. Dann ist es offiziell: Steinitz ist "Champion of the world", der erste Schachweltmeister der Geschichte.
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Steinitz krönte sich 1886 zum ersten Schachweltmeister © SID

Es ist die Krönung eines Lebens, das so unvorhersehbar verlief wie eine Schach-Partie. Geboren in Prag als neuntes von 13 Kindern, schlägt Steinitz am Brett schon in jungen Jahren die Erwachsenen. Später verdient er in den Kaffeehäusern von Wien und der Schach-Hochburg London mit dem Spiel der Könige sein Geld.

Weil Steinitz mit seinem angeborenen Klumpfuß, der Gehstütze und wildem Bart nicht so recht in die feine Gesellschaft passt, gewinnt er nicht nur Freunde. Neun Jahre lang spielt er keine einzige Partie, dann siedelt er in die USA über und leitet dort das International Chess Magazine. Als 1886 die erste Weltmeisterschaft ins Leben gerufen wird, steht außer Frage, dass er am Tisch sitzt. Als Gegner kommt nur der in Polen geborene Zukertort in Frage, der ihn 1883 besiegt hat und nun den weiten Weg über den Atlantik antritt.

Gespielt wird ab dem 11. Januar zunächst in New York, dann St. Louis und schließlich New Orleans. Der 49 Jahre alte Steinitz liegt schnell 1:4 zurück, doch Zukertort baut zusehends ab, spielt laut seiner Biographie mit "Augenringen, einem abgezehrten Gesicht und Anzeichen von Fieber". Am Morgen des 29. März 1886 liegt Steinitz mit 9:5 vorne und holt fast ohne Gegenwehr auch den zehnten Punkt. Die Eröffnung jener historischen Partie trägt heute den Namen Steinitz-Gambit.

Zukertort stirbt zwei Jahre später. Steinitz verteidigt 1889, 1890 und 1892 seinen Titel erfolgreich. Erst 1896 verliert er gegen den Deutschen Emanuel Lasker, der bis 1921 Weltmeister bleibt. Doch der erste seiner Zunft bleibt für immer Wilhelm Steinitz.

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