Das SID-Kalenderblatt am 30. Mai 2020: Erstes Indy-500-Rennen

Köln (SID) - Eine Spazierfahrt waren die 500 Meilen von Indianapolis nie, davon konnten die Premieren-Teilnehmer des Ovalspektakels am 30. Mai 1911 ein Lied singen. Weil die Organisatoren beschlossen, auf ein Programm mit mehreren Rennen zu verzichten, sollten die Zuschauer mit einer XXL-Veranstaltung unterhalten werden. Vom Vormittag und bis zum späten Nachmittag wollte man das zahlende Publikum schon bei Laune halten. Also ging es über 200 Runden a 2,5 Meilen - geboren war eines der prestigeträchtigsten Autorennen der Welt.
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Bis heute prestigeträchtig: das Indy500 © SID

Den Sieg sicherte sich Ray Harroun nach sechs Stunden, 42 Minuten und acht Sekunden. Der 32-Jährige düpierte die Konkurrenz dank überlegener Technik: Der rennfahrende Ingenieur entwarf für Hersteller Marmon einen leichten, stromlinienförmigen Einsitzer. Besondere Innovation: Durch den Einbau eines Rückspiegels (!) war Harroun nicht auf Auskünfte eines Mechanikers über das Geschehen hinter ihm angewiesen.

Gefahren wurde in Indianapolis damals auf mehr als drei Millionen Ziegelsteinen. Es war eine strapaziöse Angelegenheit für Mensch und Material, aber immer noch komfortabler als bei der Streckeneinweihung im Jahr 1909. Damals bestand die erste eigens für Autorennen gebaute Rennstrecke in den USA aus Teer und Schotter - und war gleich kräftig ramponiert.

In den 1960er-Jahren wurde die Strecke mit ihren berühmten Steilkurven nahezu vollständig asphaltiert. Nur der 90 Zentimeter breite Zielstrich besteht noch aus Ziegelsteinen (Brickyard) und wird gerne mal vom Sieger geküsst.

Ebenfalls typisch Indianapolis: eine Sieger-Milch nach umgerechnet 804,7 Kilometern. Louis Meyer begründete diese Tradition, als er nach seinem Erfolg 1936 eine kühle Buttermilch verlangte. Mittlerweile gibt jeder Fahrer vor dem Start an, wie er es gern hätte: Buttermilch, Vollmilch, fettreduziert oder fettfrei, eiskalt oder Raumtemperatur.

Wegen der Weltkriege fielen bislang lediglich sechs Indy-Auflagen aus, das Rennen 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf den 23. August verlegt. Dass dann wie zuletzt 400.000 Zuschauer den berühmten "Nudeltopf" säumen, ist utopisch.

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