Striegels bisherige Bewertung besagt, dass die durch den umstrittenen Erfurter Sportarzt Andreas Franke durchgeführte Blutbestrahlung schon vor dem Jahr 2011 verboten gewesen ist. Die NADA hatte nach Abstimmung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ihre Meinung Ende April überraschend geändert und seitdem nur Behandlungen, die seit dem 1. Januar 2011 durchgeführt wurden, als Verstoß gegen die Anti-Doping-Richtlinien eingestuft.
Dem internen NADA-Schreiben zufolge soll Striegel erneut gebeten werden, die "wesentlichen wissenschaftlichen Quellen für seine These zu benennen und die Herleitung seiner Ausführungen zu begründen". Daraufhin sollen NADA-Aufsichtsratsmitglieder, die "eine juristische oder medizinische Expertise aufweisen", oder anderen Personen den eigenen Vorstand bei der Prüfung und Bewertung des Gutachtens unterstützen.
Ob Striegels Expertise jemals der WADA übermittelt wird, ist fraglich. "Auf Empfehlung des Aufsichtsrats soll der Vorstand entscheiden, ob das Gutachten übersetzt wird und zur weiteren Bewertung an die WADA übermittelt wird. Nur für den Fall, dass das Gutachten an die WADA übermittelt wird, werden Aufsichtsrat und Vorstand, sofern es eine Rückmeldung der WADA gibt, über das weitere Vorgehen beraten", hieß es. Der NADA-Aufsichtsrat soll die Vorgehensweise mehrheitlich gebilligt haben.
Am vergangenen Freitag hatte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, erklärt, dass Striegels Gutachten "zu einer anderen Bewertung" käme als WADA und NADA. Die SPD-Politikerin sagte wohl nicht von ungefähr, dass sie davon ausgehe, "dass die WADA in Kenntnis gesetzt" werden solle. Laut Deutschlandfunk erwägt die NADA auch, den Fall eines weiteren Erfurter Athleten zu Testzwecken vor einem inoffiziellen Schiedsgericht durchzuspielen.
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), Herbert Löllgen, kritisierte die NADA für ihre Vorgehensweise. "Wir sind eindeutig der Meinung, dass eine solche Blutmanipulation schon seit 2005 oder 2006 gegen die WADA-Regeln verstößt. Warum sich die NADA davor drückt, dieses zu verfolgen, ist uns nicht klar", sagte Löllgen dem Deutschlandfunk. Die DGSP ergreift auch Maßnahmen gegen Franke: "Wir haben die Landesgesellschaft gebeten, ihn aus dem Sportärztebund auszuschließen."
Noch keine Kommentare vorhanden