Fussball und Elektronik:

Mehr Fairness, mehr Information

Der moderne Spitzen-Fussball ist heute mitnichten bloß ein Kampf zwischen 22 Spielern, einem Schiedsrichter und zwei Linienrichtern, sondern auch Einsatzgebiet für modernste Elektronik.

Fußballstadion Bild anzeigen

Elektronik ist aus dem modernen Fussball nicht mehr wegzudenken. Ob für die Sicherheit, die Fairness oder die Zuschauer: Die Einsatzbereiche sind umfangreich.

© pixabay.com © drischdi

Wer sich auf Videoportalen die Aufzeichnungen alter Fussball-Spiele anschaut – hier etwa das Pokal-Halbfinale von 1984 – und dann den Vergleich mit heutigen Matches zieht, könnte auf den Gedanken kommen, dass ohne Elektronik gar nichts mehr geht. Falsch ist dieser Gedanke nicht. Elektrotechnik ist heute auf und neben dem Platz Hilfsmittel für unterschiedlichste Probleme. Und für den Zuschauer auf dem heimischen Sessel ginge ohne Elektronik jede Menge Information unter. Der folgende Artikel widmet sich diesen Mitteln und zeigt, warum auch der Profikick heute nicht mehr ohne Halbleiter und Schaltkreise auskommt.

1. Bandenwerbung
Früher bekam ein Unternehmen, das am Spielfeldrand Werbung platzierte, verhältnismäßig viel für sein Geld. Es konnte sicher sein, dass sein Markenname über die gesamte Spielzeit regelmäßig von Zuschauern und TV-Kameras aufgefangen wurde. Heute ist aus diesen schlichten Plakaten viel mehr geworden: Die Banden wurden zu digitalen Bildschirmen. Die darauf gezeigte Werbung kann in beliebigen Abständen umgeschaltet oder durch Animationen ersetzt werden. Und das hat, glaubt man dem „Handelsblatt“, große Wirkung: Bei einer Befragung konnten sich einen Tag nach einem Spiel doppelt so viele Zuschauer an den Inhalt digitaler Bandenwerbung erinnern, wie bei herkömmlichen Banden.

2. Anzeigetafeln
Sie sind der älteste Anwendungsbereich von Fussball-Elektronik: Die Stadion-Anzeigetafeln. Schon in den 80ern wurden darauf Spielstand und -zeit angezeigt – freilich nur in Form von durch Glühbirnen beleuchteten Digital-Ziffern. Mittlerweile sind diese Funktionen Basis-Ausstattung, denn die elektronischen Anzeigetafeln von heute sind praktisch mehrere Quadratmeter große LED-Bildschirme. Und ganz ähnlich eines so ausgestatteten Fernsehers können diese Tafeln auch eine gleiche Bandbreite von Funktionen bieten. Etwa das erneute Abspielen von Tor- oder Foulszenen (Siehe Punkt Nummer 6) in Bundesligaspielen wie dem des BVB gegen Darmstadt, damit wirklich alle im Stadion es mitbekommen.

3. Der elektronische Schiri
Auch der Schiedsrichter kommt schon seit längerer Zeit nicht mehr nur mit guten Augen, einer Stoppuhr und Notizzetteln aus. An seinem Handgelenk befindet sich eine Smart Watch. - Diese zeigt ihm nicht nur die Spielzeit an, sondern auch noch mehr. So können Schiris dort schon außergewöhnliche Ereignisse, Fouls und Tore zehntelsekundengenau festhalten. Und auch als Fernsteuerung taugen diese Uhren: Wenn etwa der Linienrichter an seiner Fahne einen Knopf betätigt, vibriert des Schiedsrichters Uhr und zeigt ihm beispielsweise an, dass eine Abseitssituation vorliegt. Doch das ist nicht alles: Der Bayerische Fussball-Verband lässt seine Unparteiischen neuerdings auch mit Smartphone auf den Platz. Das Handy übernimmt in dem Fall per App die Funktion des Notizzettels – die Daten können direkt in einen Liveticker eingefüttert werden und stehen so den Zuschauern direkt zur Verfügung. Und auch bei denen ist Elektronik heute Gang und Gäbe:

4. Zuschauer
Vorbei sind die Zeiten, als der Bundesliga-Samstag vor dem Radio verbracht wurde, weil das Spiel der Lieblingsmannschaft nicht im Fernseher übertragen wurde. Der heutige Zuschauer kann dank Elektronik per Pay-TV sämtliche Matches des Spieltags gleichzeitig verfolgen. Und selbst die, die solche Investitionen scheuen oder Menschen, die schlicht Spiele aus anderen Gründen nicht verfolgen können, müssen nicht auf Infos verzichten: Apps wie „Fussball Live Ticker Ergebnisse“ schicken voreingestellt automatisch Informationen der Fussball Spiele aufs Handy. So bekommt selbst derjenige alle Tore mit, der vielleicht gerade arbeitet oder auf einer Gartenparty festsitzt.

5. Sicherheit
Besonders bei diesem sensiblen Thema ist die Elektronik auch weniger auffällig und in vielfältiger Form präsent. Es beginnt schon bei den Metalldetektoren an den Einlasspforten des Stadions. Sie ermöglichen es der Security, binnen kürzester Zeit alle Zuschauer auf gefährliche Gegenstände zu überprüfen. - Doch es geht noch weiter: Im Stadion befinden sich dutzende Kameras, teilweise mit Infrarot-Technik. Sie ermöglichen den Sicherheitsleuten nicht nur die Überwachung bestimmter Fangruppen, sondern können selbst dann noch den Übeltäter ausmachen, wenn die Zuschauerränge durch Starkregen, Schnee oder Pyro-Rauch mit bloßem Auge beim besten Willen nicht mehr zu überwachen sind. Seit der Brasilien-WM 2014 unterliegt auch das Wetter konstanter Überwachung: Wetterstationen im Stadion messen ständig alle wichtigsten Parameter und sind über das Web auch mit anderen Portalen verknüpft. Der Sinn dahinter ist nicht nur, im Vorfeld Wettervoraussagen zu treffen, sondern auch, so früh wie möglich vor Starkwetter-Phänomenen zu warnen, sodass im Notfall das ganze Stadion mit genügend Vorlaufzeit evakuiert werden könnte.

6. Fairness
Jahrelang disputierten Fussballfans nach der WM 1966 über das legendäre Wembley-Tor. Bei großen Matches ist das bereits seit einigen Jahren Geschichte: 2012 erlaubte die FIFA erstmalig den Einsatz von Torlinientechnik. Mit Beginn der 2015/16er Saison fand sie auch Einzug in die Bundesliga. Dabei ist die Technik sehr divers: Frühe Systeme vertrauten auf einen Sensor im Inneren des Balls. Die Empfänger befanden sich an den Innenseiten der Torpfosten. Überquerte der Ball die Torlinie, reagierte die Elektronik wie der Diebstahlschutz an einer Kaufhaustür. Das Bundesliga-System hingegen funktioniert laut der Meldung des Verbands über jeweils sieben Kameras pro Tor: Sechs davon überwachen aus mehreren Winkeln den Ball und können so mit größter Sicherheit ein Tor bestätigen oder ausschließen – anschließend bekommt der Schiri binnen einer Sekunde auch eine „Goal“-Meldung auf seine Armbanduhr. - Die siebte Kamera hingegen befindet sich auf Höhe der Torlinie und zeichnet das Tor in Hochgeschwindigkeit auf – sofort danach wird dieser Film auf der Anzeigetafel im Stadion und für die Zuschauer zuhause eingeblendet.

Fazit
Auch ein vermeintlich körperlicher Sport wie Fussball kommt schon längst nicht mehr ohne Elektronik aus. Dabei sorgen die Helfer mitnichten für zu viel Digitalisierung, sondern vor allem dafür, dass die Spiele fairer und sicherer ablaufen. Und zudem die Zuschauer noch ein umfangreiches Mehr an Informationen bekommen, wodurch das gesamte Erlebnis verbessert wird.