Scharfe Kritik von Gewerkschaftsseite und Linkspartei

Altmaier wirbt für mehr verkaufsoffene Sonntage im kommenden Jahr

Berlin (AFP) - Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat mit einem Vorschlag für mehr verkaufsoffene Sonntage im kommenden Jahr eine Debatte über die Flexibilisierung von Öffnungszeiten ausgelöst. Mit Blick auf die Umsatzausfälle bei vielen Einzelhändlern in der Corona-Krise sagte Altmaier der "Bild"-Zeitung, dass er an alle Landesregierungen und Kommunen die Bitte gerichtet habe, "mit den Öffnungszeiten möglichst großzügig und flexibel umzugehen". Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte den Vorstoß als "bodenlose Frechheit" gegenüber den Beschäftigten im Einzelhandel.

Fußgängerzone in Dortmund Bild anzeigen Fußgängerzone in Dortmund © AFP

Altmaier sprach sich dafür aus, dass es 2021 mehr verkaufsoffene Sonntage geben soll. "Ich würde mir wünschen, dass das, was an Umsatzausfällen in diesem Jahr angefallen ist, über weitere verkaufsoffene Sonntage im nächsten Jahr wieder reingeholt werden kann", sagte er der "Bild" vom Donnerstag.

Bei DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel stieß dies auf scharfen Widerspruch: "Die Beschäftigten im Einzelhandel haben unter hohem Infektionsrisiko während der Corona-Krise in den letzten Monaten dafür gesorgt, die Läden offen zu halten und unsere Nahversorgung zu sichern", erklärte sie. Es sei "eine bodenlose Frechheit ihnen gegenüber und eine Zumutung, jetzt auch noch über Flexibilisierung von Öffnungszeiten und Sonntagsöffnungen für nächstes Jahr zu sprechen".

Sonntagsöffnung sei "ein Angriff auf die Gesundheit und notwendigen Räume für Erholung mit Freunden und Familie", erklärte Piel. "Gerade die Beschäftigten im Einzelhandel haben aber ein Recht auf einen gesicherten freien Tag in der Woche."

Auch die Linke äußerte deutliche Kritik. "Mehr verkaufsoffene Sonntage führen weder zu mehr Konsum, noch werden die Innenstädte dadurch lebendiger", erklärte Vizefraktionschefin Susanne Ferschl. Der gewerkschaftspolitische Specher der Fraktion, Pascal Meiser, forderte, wenn Altmaier wirklich etwas für den notleidenden stationären Einzelhandel tun wolle, "sollte er sich lieber endlich für eine strikte Regulierung und Besteuerung von Amazon einsetzen, um so die unfairen Wettbewerbsvorteile des US-amerikanischen Onlinehandelskonzerns zu beenden".

Altmaier bezeichnete den Erhalt des stationären Einzelhandels in Deutschland in der "Bild"-Zeitung als "nationale, ja auch eine patriotische Aufgabe". Bäckereien, kleine Lebensmittelgeschäfte, Buchläden, Antiquitätengeschäfte hätten sich über einen langen Zeitraum entwickelt und machten die Innenstädte "zu Orten der Begegnung und attraktiv für viele Menschen".

Er wolle nicht in einer Stadt leben, in der es nur noch Filialen großer Ketten gebe, sagte Altmaier. "Deshalb ist es gerade jetzt so wichtig, den stationären Handel und kleinere Geschäfte zu unterstützen." Zuletzt hatten unter anderem der Einzelhandelsverband und die FDP angesichts der Einschränkungen in der Corona-Krise vor einer Verödung der Innenstädte gewarnt. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Reinhard Houben, nannte verkaufsoffene Sonntage am Donnerstag als ein Mittel, um "straßenlange Schlangen zu vermeiden" und den Einzelhandel zu unterstützen.