"BamS": Pofalla soll Probleme als Krisenmanager in den Griff bekommen

Bahn-Chef Lutz verspricht vor Treffen mit Scheuer mehr Pünktlichkeit

Frankfurt/Main (AFP) - Bahn-Chef Richard Lutz hat vor einem für Dienstag geplanten Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mehr Pünktlichkeit zugesagt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir im ersten Halbjahr dieses Jahres Schritt für Schritt besser werden", sagte Lutz der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Mit dem Bahn-Aufsichtsrat sei "für 2019 ein Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr von 76,5 Prozent vereinbart". Bei der Umsetzung helfe kurzfristig "unter anderem mehr Personal sowie ein besseres Baustellen- und Fahrzeugmanagement".
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Bahn-Chef Lutz (r.) und Infrastruktur-Vorstand Pofalla © AFP

Die anvisierte Quote von 76,5 Prozent wäre ist allerdings nur eine leichte Steigerung der Pünktlichkeit. Vergangenes Jahr hatte sie mit 75 Prozent einen Tiefstand erreicht. Bahn-Experten halten laut "FAS" für einen reibungslosen Betriebsablauf mindestens 85 Prozent für nötig.

Eine Verschmelzung von Bahn-Tochtergesellschaften, wie sie einige Bahnpolitiker gefordert haben, lehnte Lutz in dem Interview ab. "Davon halte ich nichts, weil es ein komplexes Gesetzgebungsverfahren nach sich ziehen würde", sagte er der "FAS". "Statt unsere Energie dafür zu vergeuden, sollten wir uns so organisieren, dass wir uns zu 100 Prozent auf unsere Kunden konzentrieren können."

Laut "FAS" fordert trotz der aktuell massiven Schwierigkeiten der Bahn derzeit niemand aus den wichtigsten Parteien im Bundestag den Rücktritt von Lutz. "Wer glaubt, dass mit dem Austausch von Personen im Bahnvorstand automatisch nur ein Zug pünktlicher fährt, ist auf dem Holzweg", sagte etwa der für Verkehrspolitik zuständige SPD-Fraktionsvize Sören Bartol.

"Eine Diskussion über Köpfe bringt den DB-Konzern und den Schienenverkehr in Deutschland keinen Millimeter weiter, das ist reiner Aktionismus", sagte auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel. Unter den derzeitigen verkehrspolitischen Rahmenbedingungen werde ein anderer DB-Chef "nicht viel besser agieren können. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn sieht die Hauptschuld für die Probleme nicht bei Lutz, sondern beim Bundesverkehrsministerium. Dieses habe den nötigen Schienenausbau jahrelang nicht vorangetrieben.

Die "Bild am Sonntag" berichtete, die Probleme bei der Deutschen Bahn solle jetzt Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla als konzernübergreifender Krisenmanager bis zum Sommer in den Griff bekommen. Darauf habe sich der frühere Kanzleramtsamtschef mit Bahn-Chef Lutz geeinigt. Am Dienstag wollen Lutz, Pofalla und Finanzvorstand Alexander Doll Bundesverkehrsminister Scheuer ein Konzept vorstellen.

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