München (AFP) - Die Regierung von Oberbayern hat den Bau einer dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen genehmigt. Mit dieser Entscheidung endete eines der nach Angaben der Behörde größten Verwaltungsverfahren in Deutschland. Während Wirtschaft und Flughafenbetreiber die Entscheidung begrüßten, kündigten die Gegner Klagen und öffentliche Proteste an.
Der Flughafen München ist nach Frankfurt am Main der zweitgrößte Airport in Deutschland. Wegen des steigenden Passagieraufkommens beantragte der Flughafen-Betreiber 2007 den Bau einer dritten Startbahn, die die Kapazität von stündlich 90 auf 120 startende und landende Flugzeuge erhöhen soll.
Seit dem Antrag zum Ausbau des zweitgrößten deutschen Flughafens waren 84.000 Einwendungen dagegen bei der oberbayerischen Regierung eingegangen. Die Startbahn-Gegner kündigten nach der Entscheidung nun umgehend an, von der Möglichkeit des Klagewegs Gebrauch zu machen. Am kommenden Freitag wollen die Gegner vor der CSU-Zentrale in München demonstrieren.
Unterstützung erhielten die Gegner von den Freien Wählern und den Grünen im bayerischen Landtag. Der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl erklärte, "wider besseres Wissen hat die Regierung von Oberbayern ein Milliarden Euro teures Projekt gebilligt, für das es keinerlei Bedarf gibt und das den Menschen im Flughafen-Umland weitere massive Nachteile bringen wird." Magerl warf der Flughafengesellschaft FMG vor, dass es den Mehrbedarf an Flügen in München nicht gebe.
Der Flughafen-Betreiber hatte den Antrag auf einen Ausbau mit dem wachsenden Passagieraufkommen begründet. Wegen der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen Rückgang des weltweiten Luftverkehr-Aufkommens hatte die Regierung von Oberbayern Gutachten in Auftrag gegeben, um die Verkehrsprognosen der Betreibergesellschaft zu prüfen. Diese Gutachten hätten den Ausbaubedarf bestätigt, teilte die Regierung mit.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Flughafens, Michael Kerkloh, bezeichnete die Entscheidung als die "wichtigste Weichenstellung für den Luftverkehrsstandort München seit der Verlagerung" von seinem alten Standort in Riem. Vom Ausbau würden insbesondere die Bevölkerung und die heimische Wirtschaft profitieren.
Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) erklärte, der Ausbau verschaffe dem Münchner Flughafen eine klare Wachstumsperspektive und sei Voraussetzung dafür, dass die Tourismuswirtschaft ihr Potenzial auch weiterhin entfalten könne. Auch die Lufthansa, für die München neben Frankfurt das wichtigste Drehkreuz ist, begrüßte den Entschluss.
Neben dem Verkehrsbedarf prüfte die Regierung auch die Bahnlänge und Fragen zum Umweltschutz und der Belastung der Anwohner. Laut Beschluss darf die dritte Bahn nun nur 16 Stunden am Tag von 6 Uhr bis 22 Uhr genutzt werden. Für den zu Freising gehörenden Ortsteil Attaching, der besonders von der neu entstehenden Lärmbelastung betroffen ist, wurde ein so genanntes Entschädigungsgebiet festgesetzt. Dort können die Grundstückseigentümer außer Schallschutzmaßnahmen und finanziellen Entschädigungen auch verlangen, dass die Flughafenbetreiber ihr Grundstück zum Verkehrswert des Jahres 2007 kaufen. Etwa hundert Anwesen können von dieser Sonderregelung Gebrauch machen.