Bahn-Beauftragter: Preissystem deckt Kosten nicht

Bund fordert Überprüfung des Bahn-Rabattsystems - Kritik von Pro Bahn

Berlin (AFP) - Angesichts sinkender Gewinne bei der Deutschen Bahn fordert der Bund eine Prüfung des aktuellen Rabattsystems. Die Bilanz zeige, "dass sich mit diesem Preismodell die Kosten nicht decken lassen", sage der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, der "Welt" vom Samstag. Verbraucherschützer wiesen die Forderung als "Unfug" zurück. "Wenn die Bahn ihre Sonderangebote streicht, verliert sie Kunden", sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn dem Berliner "Tagesspiegel" (Montagsausgabe).
Bahnhof in Lübeck Bild anzeigen
Bahnhof in Lübeck © AFP

Der Vorstand müsse sich überlegen, ob er dieses Preissystem so fortführen könne. "Das Rabattsystem muss auf den Prüfstand", forderte dagegen Ferlemann. Womöglich profitierten von Sparpreisen und Sonderrabatten nur wenige, während die Mehrheit dafür einen höheren Normalpreis zahlen müsse, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium weiter. Er sei "überrascht", wie viele Rabatte es gebe.

Für das erste Halbjahr hatte die Deutsche Bahn eine durchwachsene Bilanz vorgelegt. Obwohl sie mehr Fahrgäste und mehr Umsatz verzeichnete, sank der Gewinn spürbar. Angesichts der angespannten Lage rief Bahn-Chef Richard Lutz seine Vorstandskollegen kürzlich in einem Brandbrief zu einer besseren Zusammenarbeit und strengeren Kostenkontrolle auf.

"Die Bahn hat ein Ertragsproblem", sagte der Bahn-Beauftragte Ferlemann. "Sie verdient nicht genug, um aus dem Cashflow die nötigen Investitionen stemmen zu können." Dem Bericht zufolge erwarten Aufsichtsrat und Bund auf der geplanten Klausurtagung im November ein Sanierungskonzept des Bahn-Vorstands.

Nach Ansicht der Fahrgastvereinigung Pro Bahn würde die Abschaffung von Rabatten der Bahn schaden. Dass die Bahn zu kämpfen hat, liegt nach Meinung Naumanns daran, dass Fluggesellschaften oder Fernbusse, die der Bahn Konkurrenz machen, von der Politik privilegiert behandelt würden, etwa bei Steuern oder der kostenlosen Nutzung der Straßen. "Die Konkurrenten sind zu billig", sagte der Pro-Bahn-Vertreter.

cha/lan

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder