Anstieg im Mai aber weniger stark als im April - Heil betont Bedeutung von Kurzarbeit

Corona-Krise treibt Zahl der Arbeitslosen weiter nach oben

Nürnberg (AFP) - Die Corona-Pandemie hinterlässt auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland weiter deutliche Spuren - die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai aber weniger stark gestiegen als noch im April. Zugleich überschreitet das Ausmaß der Kurzarbeit das bisherige Rekordniveau aus der Finanzkrise 2009 bei Weitem, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete Kurzarbeit als "unsere stabilste Brücke über ein tiefes wirtschaftliches Tal".
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Zahl der Arbeitslosen steigt in Corona-Krise weiter an © AFP

Die Zahl der Arbeitslosen wuchs von April bis Mai um 169.000 auf insgesamt 2,813 Millionen. Die Arbeitslosenquote stieg damit um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent.

Der Arbeitsmarkt sei wegen der Pandemie "weiterhin stark unter Druck", erklärte BA-Chef Detlef Scheele, allerdings nicht mehr so stark wie im April. In dem Monat war die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum März um über 300.000 angewachsen.

Im Vergleich zum Mai 2019 liegt die Zahl der Arbeitslosen inzwischen um mehr als eine halbe Million Menschen höher. Heil sagte, von der derzeitigen Arbeitslosenquote seien etwa 1,3 Prozentpunkte auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen. Nach Angaben seines Ministeriums sind rund 578.000 Arbeitslose der Corona-Krise zuzurechnen.

Heil betonte, dass Kurzarbeit eine große Entlassungswelle verhindert habe. Auch wenn Kurzarbeit für viele Betroffene weniger Einkommen bedeute, dürfe nicht vergessen werden, dass Kurzarbeit Millionen Arbeitsplätze in Deutschland sichere.

Im Mai wurden nach Angaben der BA für weitere 1,06 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt; insgesamt stieg die Zahl der Kurzarbeitsanzeigen damit in der Corona-Krise auf rund 11,7 Millionen. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige bei der BA über den voraussichtlichen Arbeitszeitausfall erstatten.

Das bedeutet aber nicht, dass diese Menschen tatsächlich auch alle kurzarbeiten werden. Das Münchener Ifo-Institut hatte am Dienstag basierend auf Konjunkturumfragen unter Unternehmen geschätzt, dass bei der bis Ende April angemeldeten Kurzarbeit für rund zehn Millionen Arbeitnehmer gut zwei Drittel (71,6 Prozent) tatsächlich in Kurzarbeit geschickt wurden. In der Finanzkrise 2008/2009 waren Kurzarbeitsanzeigen für 3,3 Millionen Menschen eingegangen, tatsächlich genutzt wurde das Instrument dann für knapp 1,5 Millionen Menschen.

Dieser bisherige Höchstwert wurde in der Corona-Krise nun allerdings bereits im März überschritten. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der BA wurde allein in diesem Monat für 2,02 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld auch tatsächlich gezahlt.

Weiterhin rückläufig ist der BA zufolge die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern. Der Rückgang habe sich "aber immerhin gefangen", sagte Scheele. Im Mai waren demnach 584.000 Stellen bei der BA gemeldet, das waren 208.000 weniger als vor einem Jahr.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rief die Bundesregierung auf, ihr Corona-Konjunkturpaket mit arbeitsmarktpolitischen Angeboten zu flankieren. "Gerade in Zeiten der Kurzarbeit müssen Qualifizierungsmaßnahmen für die sozial-ökologische Wende hochgefahren werden", forderte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

"Wer seinen Job verliert oder Weiterbildungsbedarf hat, muss schnelle und effektive Unterstützung erhalten und für neue Aufgaben qualifiziert werden", erklärte Piel. "Das gilt für Arbeitslose besonders, aber auch für Beschäftigte. Gerade der Leerlauf bei Kurzarbeit kann gut mit Weiterbildung verknüpft werden."

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