Zetsche: 2018 war "ein Jahr mit starkem Gegenwind"

Daimler steht vor großen Herausforderungen

Stuttgart (AFP) - Zum Abschied hätte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche wohl bessere Zahlen gewünscht. Die anhaltenden Probleme rund um die Dieseltechnologie und internationale Handelskonflikte haben den Gewinn 2018 einbrechen lassen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Die Stuttgarter verdienten vergangenes Jahr nur 7,6 Milliarden Euro - das ist ein Rückgang um 29 Prozent im Vergleich zu 2017 und der schlechteste Wert seit 2015.
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Daimler-Chef Zetsche © AFP

"Für Daimler war 2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind", resümierte Zetsche, der im Mai seinen Posten an den bisherigen Entwicklungschef Ola Källenius abgeben will. 2021 soll er dann in den Aufsichtsrat wechseln. Er hinterlässt Källenius einige Hypotheken.

So musste Daimler im vergangenen Jahr hunderttausende Fahrzeuge wegen Abgasmanipulationen zurückrufen. Zudem hat Zetsche entschieden, dutzende Milliarden Euro in den kommenden Jahren in die Elektromobilität zu investieren, die erst noch verdient werden müssen.

Zwar konnte Daimler die Zahl der verkauften Fahrzeuge im vergangenen Jahr nochmal um zwei Prozent auf 3,3 Millionen steigern - erneuter Rekord. Und auch die Umsätze legten in ähnlichem Umfang zu auf 167,4 Milliarden Euro. In den vergangenen Monaten drehte sich allerdings der Trend, und eine erneute Verbesserung wird aufgrund der anhaltenden Probleme auf dem Weltmarkt schwierig.

Das spürten auch die Mitarbeiter, deren Gewinnbeteiligung von bis zu 5700 Euro im vergangenen Jahr auf knapp unter 5000 Euro dieses Jahr gesunken ist.

Hohe Investitionen in neue Technik, etwa für E-Autos, drücken den Gewinn. So hat Daimler sich allein bis 2030 Batteriezellen für 20 Milliarden Euro gesichert - vor allem von Anbietern aus Asien.

"Unser Bedarf ist aber größer und wir sind sehr offen für zusätzliche Lieferquellen", sagte Zetsche am Mittwoch auf einem Autokongress in Bochum.

Einer Beteiligung an einer deutschen Batteriezellfertigung, wie sie etwa Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) anstrebt, erteilt Zetsche aber weiter eine Absage. "Ein ganz entscheidendes Kriterium sind die Kosten", gab der Daimler-Chef zu bedenken. "Ich habe aber Skepsis, dass ein deutsches Konsortium einen Vorteil gegenüber den etablierten Wettbewerbern haben sollte."

Beim Thema Autonomes Fahren setzt Daimler weiter auf die bestehende Partnerschaft mit Bosch. Für etwaige Kooperationen mit anderen Autobauern zeigte er sich offen. Bei einer Zusammenarbeit mit Technologieanbietern aus den USA wie der Google-Schwester Waymo oder Uber ist er hingegen skeptischer.

"Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Gespräche mit Waymo und Uber geführt. Dabei ist aber keine nennenswerte Vereinbarung herausgekommen." Daimlers Kernforderung sei, dass der Konzern nicht "Blackboxes" in seine Autos einbauen, sondern vollen Zugriff auf die Software haben wolle. "Das war immer ein zentrales Hindernis."

Ob Zetsche bei den Zukunftsthemen auf die richtigen Pferde gesetzt hat, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Für das laufende Jahr will Daimler jedenfalls abermals bei Absatz und Umsatz leicht wachsen.

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