"Die Betriebsrenten stehen unter großem Druck - und zwar überall", sagte Bernardino. "Egal, ob in Deutschland, den Niederlanden oder Großbritannien, überall gehen die Einwohnerzahlen zurück. Gleichzeitig zeigen die Aktienmärkte eine hohe Volatilität, die langfristigen Zinsen orientieren sich nach unten." Das sei "eine Bedrohung für die Pensionsversprechen, die in der Vergangenheit gemacht wurden". Als Folge fürchtet Bernardino, "dass wir auf einen Konflikt zwischen den Generationen zusteuern, wenn wir nicht reagieren - weil künftige Generationen möglicherweise viel geringere Betriebsrenten bekommen dürften."
Bernardino kritisierte, dass die europäische Versicherungsaufsicht viel zu wenig über die Lage der Pensionskassen in der EU wisse und hält regelmäßige Stresstests für unbedingt notwendig. Da die Pensionsfonds in der EU drei Billionen Euro Kapital zur Verfügung haben und in Anlagen aller Art investieren, seien sie "relevant für die Wirtschaft und die Stabilität unseres Finanzsystems". Sie müssten deshalb schärfer beobachtet werden.
"Deshalb schlägt Eiopa einen jährlichen Stresstest für große Betriebsrentenfonds auf europäischer Ebene vor. Zusätzlich sollten die nationalen Aufseher in ihrem Land Stresstests organisieren. Kleinere Fonds könnte man weniger häufig testen."
Kritik von Arbeitgebern und Gewerkschaften, dass die Kosten für die Fonds deutlich steigen werden und das System der deutschen Betriebsrenten bedroht sei, wies Bernardino zurück. "Es ist nicht mein Ziel, ein System zu zerstören oder Betriebsrenten so teuer zu machen, dass sie sich niemand mehr leisten kann", sagte er. "Aber das schlimmste Szenario wäre, wenn die versprochenen Renten ausbleiben, auf die sich alle verlassen. Deswegen müssen wir handeln."
Noch keine Kommentare vorhanden