23 Gespräche zwischen Finanzministerium und Deutscher Bank 2018

Gewerkschaften sehen mögliche Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank kritisch

Frankfurt/Main (AFP) - Eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank würde die Probleme der beiden Geldinstitute aus Sicht von Gewerkschaftern nicht lösen. "Wir sehen das Szenario kritisch, da ein erneuter erheblicher Arbeitsplatzabbau zu befürchten wäre", sagte Verdi-Bankenexperte Jan Duscheck dem "Handelsblatt" vom Montag. Zugleich sei eine Stärkung der Geschäftsmodelle dabei nicht klar erkennbar.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main © AFP

"Das ist aber alles hoch hypothetisch", sagte Duscheck, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. Der Gewerkschafter war bei einem von insgesamt 23 Gesprächen anwesend, die im vergangenen Jahr unter der aktuellen Bundesregierung zwischen Vertretern des Bundesfinanzministeriums und Vertretern der Deutschen Bank stattgefunden hatten.

Deutliche Kritik kam auch vom Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Bankangestelltenverband, Stephan Szukalski: "Beide Häuser haben ihre eigenen, sehr unterschiedlich gelagerten Probleme", sagte er dem "Handelsblatt". "Diese löst man nicht mit einer Fusion, sondern potenziert sie."

"Ein solches Gebilde wäre auf viele Jahre nur noch mit sich selbst beschäftigt, mit ungewissem Ausgang", sagte Szukalski weiter. Aus seiner Sicht wäre das "die schlechteste Lösung für Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und überdies auch den Steuerzahler".

Über ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank wird seit längerem spekuliert. Am Freitag hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) offen für eine Fusion deutscher Großbanken sei. Einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz zufolge gab es im vergangenen Jahr 23 Gespräche zwischen Bundesfinanzministerium und Vertretern der Deutschen Bank.

Scholz hatte im vergangenen Jahr beklagt, hiesige Banken hätten nicht mehr die "Größenordnung und die Globalität", die notwendig sei, um Unternehmen bei ihren Geschäften weltweit zu begleiten. Das sei aber besonders für die exportorientierte deutsche Industrie von Nachteil.

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