Für die Studie analysierte die Hamburger Forschungs- und Beratungsfirma EnergyComment im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen die Entwicklung der Kraftstoff-Preise und Rohöl-Notierungen zwischen Ende November bis Anfang März. Demzufolge verteuerte sich Superbenzin an den Tankstellen in dem Zeitraum um 11,3 Cent je Liter. Von dieser Verteuerung ließen sich jedoch nur 6,6 Cent durch den gestiegenen Ölpreis oder Wechselkurs-Veränderungen erklären. Die restliche Erhöhung von 4,7 Cent sei das Ergebnis höherer Bruttomargen für die Ölbranche.
An einem Liter Super verdienten die Mineralölkonzerne mittlerweile 16,25 Cent, heißt es in der Studie. Dies entspreche einer Ausweitung der Gewinnspanne um 41 Prozent gegenüber November, als die Bruttomarge noch bei 11,52 Cent gelegen habe. Als Bruttomarge definieren die Autoren der Studie den Benzinpreis an der Tankstelle ohne Steuern abzüglich der Kosten des Rohöls.
Bei einem Absatz von 2,1 Milliarden Liter Super pro Monat ergebe sich für die Verbraucher hieraus eine Mehrbelastung von 98 Millionen Euro, heißt es in der Studie. Die Gewinnspanne bei Diesel sei im Untersuchungszeitraum hingegen nahezu unverändert geblieben, habe jedoch auf hohem Niveau verharrt.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass es der Mineralölbranche nicht nur gelungen sei, die höheren Beschaffungskosten für Öl "in vollem Umfang weiterzugeben, sondern auch die Margen auszuweiten", erklärte Studienautor Steffen Bukold. Da es "keine Hinweise" gebe, dass sich noch andere Kosten für die Mineralölwirtschaft neben den Ölnotierungen nennenswert verändert hätten, sei davon auszugehen, dass die höheren Margen für die Unternehmen auch höhere Gewinne bedeuteten.
Wie der ADAC indes mitteilte, erreichte der Benzinpreis in dieser Woche ein neues Allzeithoch. Der Liter Super E10 kostete demnach im Schnitt 1,66 Euro je Liter. Dies entspreche einem Anstieg von 1,7 Cent gegenüber der Vorwoche. ADAC-Präsident Peter Meyer forderte die Mineralölbranche vor diesem Hintergrund auf, zu einer "seriösen und transparenten" Preispolitik zurückzukehren.
Angesichts der Ergebnisse der Spritpreis-Studie fordere die Vize-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, eine Stärkung des Bundeskartellamtes. "Das Kartellamt hat leider nicht die gesetzlichen Möglichkeiten, um hier stärker zu kontrollieren und einzugreifen", erklärte Höhn. Zudem müssten Preisentwicklungen stärker überwacht werden.
Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) wies die Vorwürfe in der Studie als "völlig haltlos" zurück. An Autofahrer seien in den vergangenen Monaten "nur die gestiegenen Beschaffungskosten" weitergegeben worden "und kein Cent mehr", erklärte MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard. Der Ölpreis könne nicht mit dem Benzinpreis gleichgesetzt werden. Entscheidend für die Tankstellenpreise seien die Einkaufskosten für Benzin und Diesel. Dabei handele es sich um Weltmarktpreise, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt würden.
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