Feierliche Zeremonie in Tokio

Großbritannien und Japan unterzeichnen Handelsabkommen

Tokio (AFP) - Während die Verhandlungen mit der EU über das Brexit-Abkommen kaum vorankommen, hat Großbritannien mit Japan das erste größere Freihandelsabkommen nach dem Austritt aus der EU besiegelt. Die Ministerin für internationalen Handel, Liz Truss, und der japanische Außenminister Toshimitsu Motegi, setzten am Freitag in einer Zeremonie in Tokio ihre Unterschriften unter das Abkommen. Es soll im Januar in Kraft treten.
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Ministerin Truss und Japans Außenminister Motegi © AFP

Mit dem Freihandelsabkommen sollen 99 Prozent der zwischen beiden Ländern gehandelten Güter und Dienstleistungen künftig zollfrei bleiben. Nach britischen Angaben wird das Abkommen das Handelsvolumen um 15,2 Milliarden Pfund (16,5 Milliarden Euro) erhöhen.

2019 betrug dieses Volumen rund 30 Milliarden Pfund; rund zwei Prozent des britischen Außenhandelsvolumens. Zum Vergleich: Das Handelsvolumen zwischen Großbritannien und der EU betrug 2019 rund 670 Milliarden Pfund.

Derzeit basieren die Handelsbeziehungen noch auf dem EU-Freihandelsabkommen mit Japan. Großbritannien tritt Ende Dezember nach einer Übergangsphase endgültig aus der EU aus und braucht daher ein eigenes Vertragswerk. Es gleicht in den großen Linien dem EU-Abkommen, London betont allerdings Verbesserungen.

Ministerin Truss lobte in Tokio die kurze Verhandlungsdauer. Sie sagte, das Abkommen mit Japan mache auch den Weg frei für eine Mitgliedschaft ihres Landes in der Vereinbarung für eine Trans-Pazifische Partnerschaft (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership) mit elf Mitgliedern wie Kanada, Mexiko, Vietnam und Australien.

Außenminister Motegi betonte, Japan betrachte Großbritannien nach wie vor als "Eingangstür zu Kontinentaleuropa". Er mahnte eindringlich, die Lieferketten zwischen Großbritannien und der EU müssten nach dem Brexit erhalten bleiben. Motegi hob die "besseren Bedingungen" für den Absatz japanischer Produkte auf dem britischen Markt hervor - vor allem für Waggons und einige Autoteile.

Großbritannien hat auch schon mit Südkorea, Chile, der Schweiz, Island und Norwegen vereinbart, die derzeitigen Bedingungen für den Handel nach dem Brexit beizubehalten. Ziel der konservativen Regierung in London ist es, noch vor Ende des Jahres ein Abkommen mit den USA zu unterzeichnen.

Mit der EU verhandelt London seit Donnerstag wieder über die Beziehungen nach dem Brexit. Die Gespräche kommen seit Monaten kaum voran. Hauptstreitpunkte sind faire Wettbewerbsbedingungen, die Kontrolle eines künftigen Abkommens und die Fangrechte für EU-Fischer in britischen Gewässern.

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