Frankfurt/Main (AFP) - Mit ersten Warnstreiks vor allem in Bayern und Norddeutschland hat die IG Metall im aktuellen Tarifstreit den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Insgesamt legten mehr als 2500 Beschäftigte in der Nacht vorübergehend die Arbeit nieder, wie die Gewerkschaft mitteilte. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser verurteilte die Warnstreiks scharf.
Die IG Metall will für die bundesweit rund 3,6 Millionen Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn, die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie bieten ein Lohnplus von 3,0 Prozent für eine Vertragslaufzeit von 14 Monaten und lehnen die übrigen Forderungen ab. IG-Metall-Chef Berthold Huber nannte dies eine Provokation. "Wir fordern ein Angebot, das die Beschäftigten und ihre Leistung ernst nimmt", sagte er in Frankfurt am Main. Huber kündigte ab Mitte der Woche bundesweit massive Warnstreiks an.
Die Metall-Tarifverhandlungen werden dezentral in den Bezirken geführt, bis es einen Pilotabschluss gibt. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 8. Mai in Baden-Württemberg statt, dann folgen die anderen Tarifgebiete.
Der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg und Verhandlungsführer der im aktuellen Tarifkonflikt, Jörg Hofmann, warnte die Arbeitgeber: "Wenn in den nächsten Verhandlungen keine Lösung in Sicht ist, werden wir die Rote Karte ziehen." Die Branche "boomt ohne Ende", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". "Was zusätzlich an Produktion und Produktivität erwirtschaftet wird, wollen die Arbeitgeber allein einsacken", kritisierte Hofmann. Entsprechend groß sei die Streikbereitschaft in der IG Metall.
In Bayern beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 1200 Metaller an ersten Warnstreiks. Rund 250 Beschäftigte zogen mit einem Fackelzug vor das Werkstor bei TDK in München. In Pfronten versammelten sich 500 Beschäftigte vor den Toren der Firma Deckel Maho. In Augsburg demonstrierten 400 Metaller vor MAN Diesel. Im rheinland-pfälzischen Andernach versammelten sich in der Nacht rund 500 Beschäftigte der ThyssenKrupp Rasselstein GmbH sowie Mitarbeiter der Rasselstein Verwaltungs GmbH aus Neuwied zu einer Kundgebung.
In Niedersachsen traten beim Autozulieferer Continental in Gifhorn 200 Beschäftigte der Nachtschicht in den Ausstand. In Berlin legten rund 200 Mitarbeiter der Nachtschicht im Osram-Werk kurz nach Mitternacht die Arbeit nieder. Warnstreiks und andere Protestaktionen gab es auch in Salzgitter, Hildesheim und im norddeutschen Nordenham.
In der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie endete die Friedenspflicht in der Nacht um 0.00 Uhr. In den ostdeutschen Ländern gilt seit Auslaufen des Tarifvertrages Ende März keine Friedenspflicht. Deshalb hatten Beschäftigte in Thüringen und Sachsen-Anhalt bereits in den vergangenen Tagen mit einzelnen Warnstreikaktionen ihrer Forderung Nachdruck verliehen.
Kannegiesser sagte der Zeitung "Welt": "Die IG Metall hat schon mit Warnstreiks und einem möglichen Arbeitskampf gedroht, noch bevor sie ihre Forderung beschlossen hat." Die Gewerkschaft müsse sich inhaltlich bewegen, statt mit einer "unnötigen Machtdemonstration den Betrieben zu schaden", forderte Kannegiesser.