Gewerkschaft bekommt für Forderungen Gegenwind aus der CDU

IG Metall zieht positive Bilanz der Streikwoche - 340.000 Beschäftigte im Ausstand

Osnabrück (AFP) - Die Gewerkschaft IG Metall hat eine positive Bilanz ihrer tagelangen bundesweiten Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gezogen. Rund 340.000 Beschäftigte hätten seit Ende der Friedenspflicht Anfang Januar "eindrucksvoll gezeigt, dass sie sich mit dem mickrigen Angebot und der starren Haltung der Arbeitgeber nicht abfinden wollen", erklärte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann am Freitag. Er verteidigte die Forderungen der Gewerkschaft; heftiger Gegenwind kam vom CDU-Wirtschaftsrat.
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Warnstreik in Kiel © AFP

"Die Arbeitgeber müssen sich jetzt am Verhandlungstisch endlich mehr bewegen", forderte Hofmann. Die IG Metall hatte am Montag mit bundesweiten Warnstreiks begonnen, auch am Freitag beteiligten sich bis zum Nachmittag erneut etwa 70.000 Beschäftigte an Arbeitsniederlegungen. Am Donnerstag war die dritte Runde der Tarifverhandlungen für Baden-Württemberg ergebnislos vertagt worden - allerdings beschlossen beide Seiten die Einrichtung einer Expertenkommission mit betrieblichen Fachleuten.

Größter Streitpunkt zwischen den Tarifparteien ist die Gewerkschaftsforderung nach einem Recht auf eine befristete 28-Stunden-Woche mit teilweisen Ausgleichszahlungen. Diese sehen die Arbeitgeber als rechtswidrig an, weil sie eine Ungleichbehandlung gegenüber Beschäftigten, die bereits in Teilzeit sind, bedeuteten.

Der CDU-Wirtschaftsrat warf der Gewerkschaft vor, mit ihren Forderungen der gesamten Volkswirtschaft zu schaden. "Wir können nicht alle immer weniger arbeiten und immer mehr verdienen", sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wer in Zeiten des Fachkräftemangels die Arbeitszeit massiv verkürzen wolle, schade nicht nur den Betrieben.

Die große Metall- und Elektroindustrie dürfe nicht durch einen "überreizten Tarifabschluss" ins Stottern kommen, sagte Steiger mit Blick auch auf die seit Tagen laufenden Warnstreiks. Große Lohnsprünge bei gleichzeitiger Arbeitszeitverkürzung hätten die Branche bereits Anfang der 90er-Jahre in eine tiefe Krise gestürzt. Daraus habe die Gewerkschaft "nichts gelernt", kritisierte der CDU-Politiker.

Die Linke kritisierte diese Äußerungen als "reine Klientelpolitik". Es sei "Quatsch", dass bei diesen Forderungen gleich die gesamte Wirtschaft zusammenbreche, erklärte die Linken-Politikerin Jutta Krellmann. Vielmehr gehe es um eine Umverteilung von Gewinnen und Arbeitszeit, und damit letztlich um Gerechtigkeit.

IG-Metall-Chef Hofmann verteidigte die Forderung im Bereich der Arbeitszeit. "Wer sich um Kinder sorgt, wer Familienangehörige pflegt, wer erstmal auf Entgelt verzichtet durch Arbeitszeitverkürzung, der soll zumindest einen Teil ausgeglichen bekommen", sagte er im Bayerischen Rundfunk.

Der Gewerkschaftschef sieht dabei auch Vorteile für die Arbeitgeber. Die Metall- und Elektroindustrie sei eine Branche, "die es sich immer noch leisten kann, dass nur 20 Prozent der Beschäftigten Frauen sind". Ohne attraktivere Arbeitsmodelle, auch für Frauen, werde es nicht gelingen, "den Fachkräftebedarf für morgen zu füllen", sagte Hofmann dem Sender.

Die IG Metall macht seit Montag mit Warnstreiks Druck. Der Schwerpunkt der Aktionen lag am Freitag in Bayern, auch aus Baden-Württemberg und von der Küste wurde eine hohe Streikbeteiligung gemeldet. Am Wochenende und auch in der kommenden Woche sollen die Arbeitsniederlegungen fortgesetzt werden.

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