Weltwirtschaft laut Französin durch Handelskonflikte und Brexit bedroht

Künftige EZB-Chefin Lagarde drängt zum Handeln gegen drohenden Abschwung

Washington (AFP) - Die künftige Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, blickt mit Sorge auf die Weltwirtschaft. Das Wachstum sei in vielen Ländern "schwach und bedroht", sagte die 63-Jährige der Nachrichtenagentur AFP in Washington. Als Risikofaktoren nannte sie unter anderem die anhaltenden Handelskonflikte und den Brexit. Zugleich rief sie zum Handeln auf: "All diese Dinge sind menschengemacht und können auch vom Menschen gelöst werden."
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Christine Lagarde © AFP

Dabei könne "ein wenig weiblicher Einfluss nicht schaden", sagte Lagarde. Die Französin rückt im November als erste Frau an die Spitze der EZB in Frankfurt am Main. Sie war auch die erste Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF), den sie seit 2011 acht Jahre lang leitete.

Wenn sie bei der Europäischen Zentralbank von dem Italiener Mario Draghi übernimmt, ist kein radikaler Kurswechsel in der Geldpolitik zu erwarten, wie Lagarde nun erneut deutlich machte: "Zentralbanker haben Verantwortung für die Stabilität", betonte sie. "Dafür ist es notwendig, das Mandat zu beachten", sagte sie AFP mit Blick auf die EZB.

Bereits in einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments hatte Lagarde Anfang September deutlich gemacht, die ultralockere Zinspolitik ihres Vorgängers fortführen zu wollen. Zugleich stellte sie eine stärkere Ausrichtung auf eine grüne Finanzpolitik sowie eine verständlichere Kommunikation der EZB-Politik in Aussicht.

"Ich werde sicherstellen, dass wir die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Mittelpunkt stellen", betonte Lagarde, die von 2007 bis 2011 Wirtschafts- und Finanzministerin in Frankreich war. "Wir werden uns auf Produktivität und Stabilität fokussieren", sagte sie zu ihren Plänen für ihre achtjährige Amtszeit bei der EZB.

Ihre Tätigkeit beim Internationalen Währungsfonds bewertete sie in der Rückschau positiv: "Im Laufe der vergangenen acht Jahre hat sich die Institution verändert", sagte Lagarde. "Sie ist finanziell solider, hoch respektiert und hoch relevant."

Lagarde hatte das Amt beim IWF 2011 inmitten der griechischen Schuldenkrise angetreten. Zudem war die Institution nach der Verhaftung ihres Vorgängers und Landsmanns Dominique Strauss-Kahn in einer Vergewaltigungs-Affäre in der Krise.

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