Berlin (AFP) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Arbeitgeber und Gewerkschaften zu maßvollen Tarifabschlüssen aufgerufen. Es müssten bei den anstehenden Verhandlungen "Lösungen der Vernunft" gefunden werden, sagte Merkel in der ARD. Zwar müsse sich der Aufschwung der Unternehmen in den Lohnabschlüssen widerspiegeln, zumal die Arbeitnehmer maßgeblich dazu beigetragen hätten, dass die Firmen so gut durch die Krise gekommen seien. Zugleich müsse berücksichtigt werden, dass der Aufschwung "weiter fragil" sei, sagte Merkel. Der Boom sei vor allem vom Export getrieben.
DGB-Chef Michael Sommer forderte angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs höhere Löhne für die deutschen Arbeitnehmer. "Es kann nicht sein, dass die Beschäftigen vielfach für die Krise bezahlen", sagte Sommer dem "Hamburger Abendblatt". "Jetzt sind unsere Leute mal wieder dran." Die Arbeitnehmer hätten durch Kurzarbeit auf Lohn verzichtet. Sommer fügte hinzu, in den vergangenen Jahren habe es eine "moderate Lohnpolitik" der Gewerkschaften gegeben. "Aber im Aufschwung halten wir uns nicht mehr zurück."
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wies die Gewerkschaftsforderungen zurück. "Der Aufschwung ist noch mit vielen Risiken behaftet", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände der "Bild"-Zeitung. "Überzogene Lohnforderungen gefährden die wirtschaftliche Erholung in Deutschland", fügte er hinzu. "Eine weiterhin angemessene Tarifpolitik sichert hingegen unsere Wettbewerbsfähigkeit und schafft Beschäftigung."