Konzernchef Nadella spricht mit Präsident Trump

Microsoft will US-Geschäft von Tiktok bis Mitte September übernehmen

Washington (AFP) - Die Videoplattform Tiktok, von US-Präsident Donald Trump mit einem Verbot bedroht, wird sich wohl unter die Fittiche des US-Softwarekonzerns Microsoft flüchten. Microsoft teilte am Sonntag mit, der Konzern verhandle mit dem chinesischen Besitzer ByteDance über den Kauf des US-Geschäfts von Tiktok. Microsoft wolle diese Verhandlungen bis spätestens 15. September abschließen. Konzernchef Satya Nadella habe zuvor mit Trump gesprochen.
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Videoplattform TikTok © AFP

Der US-Präsident und seine Regierung werfen Tiktok vor, Nutzerdaten an die chinesische Regierung weiterzugeben. Auch in anderen Ländern wie in Deutschland gibt es ernste Datenschutzbedenken.

Trump hatte am Freitag angekündigt, er wolle Tiktok in den USA verbieten und werde womöglich schon Samstag zur Tat schreiten. Zunächst passierte allerdings nichts; auch blieb unklar, wie ein Verbot durchgesetzt werden könnte.

Finanzminister Steven Mnuchin sagte am Sonntag, Tiktok werde "verkauft oder geblockt". Außenminister Mike Pompeo betonte, Trump werde "in den kommenden Tagen zur Tat schreiten". Dies geschehe als Reaktion "auf die verschiedenen Risiken für unsere nationale Sicherheit, die von Anwendungen ausgehen, die mit Chinas Kommunistischer Partei verbunden sind".

Microsoft erklärte am Sonntag, der geplante Kauf von Tiktok werde einer "umfassende Analyse der Sicherheit" unterzogen. Er müsse den USA "wirtschaftliche Vorteile bringen, dem Fiskus inbegriffen". Sollte sich Microsoft die Videoplattform einverleiben, wäre der Konzern zuständig für Tiktok in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland. "Microsoft wird garantieren, dass alle Daten der amerikanischen Nutzer von Tiktok in den USA bleiben werden", erklärte der Konzern.

Tiktok hatte in den vergangenen Monaten versucht, sich aus dem Schussfeld zu bringen. Am 1. Juni trat der neue Chef Kevin Mayer sein Amt an, ein ehemaliger Manager des US-Unterhaltungskonzerns Disney. Anfang Juli kündigte Tiktok als Reaktion auf das umstrittene chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong an, das Geschäft in der Sonderverwaltungszone zu stoppen - die App war damit in Hongkong nicht mehr funktionsfähig.

Die Chefin von Tiktok in den USA, Vanessa Pappas, zeigte sich noch am Samstag kämpferisch und erklärte, "wir gehen nirgendwo hin". Tiktok sei stolz auf seine 1500 US-Angestellten und werde "10.000 weitere Stellen in den kommenden drei Jahren in den USA schaffen".

Daniel Castro von der Denkfabrik Information Technology and Innovation Foundation sagte, unter einem Verbot von Tiktok würden vor allem die USA leiden: "Millionen Amerikaner, darunter zahlreiche Anhänger Trumps, nutzen Tiktok. Die Server stehen alle außerhalb Chinas. Es gibt keinen Beweis, dass sie eine Bedrohung für die nationale Sicherheit sind."

Tiktok ist vor allem bei jungen Menschen beliebt und hat weltweit fast eine Milliarde Nutzer. Die Videoplattform entstand 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos erfolgreich wurde.

Microsoft würde mit Tiktok die Chance in den Schoß fallen, auf dem Markt für soziale Netzwerke mitzuspielen - derzeit dominiert von Facebook mit seiner Tochter Instagram. Microsoft gehört das berufliche Netzwerk Linkedin und der Messangerdienst Teams für die interne Kommunikation in Unternehmen. Erst Ende Juni hatte der Konzern seine Videospielplattform Mixer wieder geschlossen.

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