Konzern bei Akw-Projekten praktisch aus dem Rennen

Rückschläge für Areva in Finnland und Tschechien

Paris (AFP) - Der französische Atomkonzern Areva hat zwei Rückschläge in seinem Bemühen um den Verkauf seiner Atomkraftwerke ins Ausland hinnehmen müssen: Das finnische Atomunternehmen Fennovoima schloss den Areva-Druckwasserreaktor EPR aus seinem Bieterverfahren für ein neues Atomkraftwerk im Westen des Landes aus, wie der Konzern mitteilte. In Tschechien billigte die Wettbewerbsbehörde UOHS eine Entscheidung des heimischen Stromkonzerns CEZ, Areva aus dem Bieterverfahren um die geplante Erweiterung des Atomkraftwerkes Temelin auszuschließen.
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Areva kommt bei Aufträgen nicht zum Zug © AFP

Das finnische Atomunternehmen verwies in einer Erklärung darauf, dass es nun "direkte Verhandlungen" mit der japanischen Toshiba-Gruppe für den Bau eines 1600-Megawatt-Siedewasserreaktors führen wolle. Dennoch gibt es für Areva noch eine Hoffnung: Womöglich will Fennovoima doch nur einen Reaktor "mittlerer Größe" von 1000 bis 1300 Megawatt bauen. In diesem Fall würden Angebote von Areva, Toshiba und dem russischen Konzern Rosatom geprüft.

Das Konsortium Fennovoima ist geschwächt, seit sich im Oktober der deutsche Energiekonzern Eon aus Finnland zurückzog, wo sich das Unternehmen am Bau des Atomkraftwerks beteiligen wollte. Finnische Umweltschützer hatten dies damals als "Sargnagel" für das Akw-Projekt bezeichnet.

In Finnland hat Areva bereits andere Probleme. Der französische Atomkonzern baut dort zusammen mit seinem deutschen Partner Siemens den ersten Europäischen Druckwasserreaktor (EPR). Wegen ständiger Probleme beim Bau und Verzögerungen verlangte der finnische Stromversorger TVO bereits 1,8 Milliarden Euro Schadenersatz. Der EPR wird seit 2005 gebaut und sollte 2009 eigentlich ans Netz gehen. Areva und Siemens gehen im Moment davon aus, dass er 2014 fertig wird. TVO hält auch dieses Datum für unrealistisch und schätzt, dass die Atomanlage vermutlich erst 2016 fertig wird.

Dennoch versucht Areva, einen zweiten EPR an TVO in Finnland zu verkaufen. Für dieses Projekt gibt es aber keinen klaren Zeitplan, fünf Unternehmen sind an dem Bau interessiert.

In Tschechien hatte der Stromkonzern CEZ bereits im Oktober den französischen Konzern vom Bieterverfahren für den Temelin-Ausbau im Südwesten des Landes ausgeschlossen. Areva hatte dagegen Beschwerde eingelegt, die nun aber von der Wettbewerbsbehörde zurückgewiesen wurde, wie die UOHS in einer Erklärung im Internet bekanntgab. Auch dort ist Toshiba mit seinem US-Tochterunternehmen Westinghouse im Rennen sowie ein russisch-tschechisches Konsortium. Der Vertrag wird auf acht bis 12 Milliarden Euro geschätzt. Areva kann nun noch einmal Widerspruch gegen die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde einlegen.

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