Regelung soll Benachteiligung von Frauen beseitigen

Studie: Große Mehrheit der Unternehmen bei Lohn-Transparenz bislang nicht aktiv

Düsseldorf (AFP) - Das Gesetz zur Überprüfung der Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen hat in der Praxis bislang kaum Wirkung entfaltet - in der Pflicht sieht die Hans-Böckler-Stiftung hierbei auch die Unternehmen. Nur eine Minderheit der Betriebe sei bislang aktiv geworden, erklärte die gewerkschaftsnahe Stiftung am Freitag. Nötig seien "strengere Auflagen und spürbare Sanktionen".

Kaufkraft 2017 schwächer gestiegen als 2016 Bild anzeigen Kaufkraft 2017 schwächer gestiegen als 2016 © AFP

Das Entgelttransparenzgesetz soll sicherstellen, dass Frauen im gleichen Betrieb für gleiche und gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn erhalten wie Männer. Seit dem 6. Januar 2018 gilt dafür ein individueller Auskunftsanspruch: Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen den Mitarbeitern auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie wie bezahlt werden.

Bislang wird diese Möglichkeit aber kaum in Anspruch genommen. Erst am Montag hatte das Münchner Ifo-Institut mitgeteilt, dass laut einer Umfrage unter Personalleitern nur in knapp zehn Prozent aller Unternehmen Beschäftigte bislang Erkundigungen einholten.

Für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gelten weitere Vorgaben: Sie sollen regelmäßig überprüfen, wie es um die Entgeltgleichheit im Unternehmen steht, und dazu einen Bericht erstellen.

Der Böckler-Stiftung zufolge stößt das Entgelttransparenzgesetz bei den Unternehmen nur auf verhaltenes Interesse. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung (INES Berlin) haben viele Betriebe noch keine Aktivitäten zur Umsetzung des Entgelttransparenzgesetzes unternommen.

Zum Zeitpunkt der Befragung, sieben bis zehn Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes, sei in nur zwölf Prozent der Betriebe die Geschäftsführung von sich aus aktiv geworden. "Offenbar fühlte sich nur ein kleiner Teil der Betriebe von der Aufforderung angesprochen, im Betrieb für Entgeltgleichheit zu sorgen", schreiben die Autoren. Auch die Beschäftigten selbst zögern der Studie zufolge noch: In 13 Prozent der mittelgroßen Betriebe hat sich demnach mindestens ein Mitarbeiter einen bis vier Monate nach Inkrafttreten des Auskunftsanspruchs an den Betriebsrat gewandt, um das Gehalt überprüfen zu lassen.

Die Forscher raten deshalb dazu, das Entgelttransparenzgesetz verbindlicher auszugestalten. Dazu gehöre, die Prüfung der betrieblichen Gehaltsstrukturen nicht nur zu empfehlen, sondern verpflichtend zu machen. Außerdem müssten die Hürden für den individuellen Auskunftsanspruch verkleinert und hierbei auch Beschäftigte in kleineren Betrieben einbezogen werden. Für Verstöße gegen die gesetzlichen Verpflichtungen müsse das Gesetz "wirksame Sanktionen" vorsehen, die es bisher überhaupt nicht gebe.