Neben Drew, die drei Jahrzehnte für JPMorgan Chase arbeitete, werde wohl auch Bruno Iksil die Bank verlassen. Iksil, der ebenfalls in London handelte, erlangte mit seinen risikoreichen Geschäften in der Szene die Spitznamen "Wal von London" und "Voldemort", nach dem Bösewicht aus den weltberühmten "Harry-Potter"-Büchern von J.K. Rowling. Für den nun eingefahrenen Verlust soll der französischstämmige Iksil angeblich der Hauptverantwortliche sein.
Das Bankhaus hatte den binnen sechs Wochen eingefahrenen Verlust am Donnerstag zugeben müssen. Grund waren Fehlspekulationen der Investmentabteilung mit Kreditausfallversicherungen. Solche Versicherungen standen auch im Mittelpunkt der Finanzkrise des Jahres 2008. Durch diese war JPMorgan Chase ohne staatliche Hilfe gekommen.
JPMorgan-Chef Jamie Dimon führte den Verlust am Donnerstag auf eigenes Verschulden des Instituts zurück. Demnach machte die Investmentabteilung "unerhörte Fehler". "Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen", sagte Dimon. Der Bankchef gehört zu den schärfsten Kritikern von Plänen der US-Regierung, den Eigenhandel der Banken mit Kreditausfallversicherungen stark einzuschränken.
Der Fall ähnelt den spektakulären Verlusten, die einzelne Händler bei anderen Großbanken verursacht haben sollen. Jérôme Kerviel war im Oktober 2010 zu fünf Jahren Haft und einer Rekordgeldstrafe von 4,9 Milliarden Euro verurteilt worden - der Summe, die Société Générale durch seine riskanten Spekulationen verloren hatte. Kweku Adoboli ist in London angeklagt, weil er der UBS mit Fehlspekulationen einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro beschert haben soll.
Die Aktie von JPMorgan Chase verlor an der New Yorker Börse am Freitag 9,3 Prozent an Wert. Sie schloss bei 36,96 Dollar. Der Wert der Bank verringerte sich damit um etwa 14 Milliarden Dollar. Das Institut hatte im vergangenen Monat einen Gewinn von 5,38 Milliarden Dollar für das erste Quartal ausgewiesen. Das waren zwar drei Prozent weniger als im Vorjahresquartal, aber mehr als erwartet. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf knapp 27 Milliarden Dollar.
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