Institut nach Milliardenverlust unter Druck

Topmanager verlassen US-Großbank JPMorgan Chase

New York (AFP) - Nach dem Verlust von rund zwei Milliarden Dollar durch Fehlspekulationen bei JPMorgan Chase hat die Investmentchefin der US-Großbank ihren Hut nehmen müssen. Ina Drew sei als Chief Investment Officer zurückgetreten, gab JPMorgan bekannt. US-Medien zufolge dürften in den kommenden Tagen weitere Manager gehen.
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JPMorgan Chase nach Milliardenverlust unter Druck © AFP

Die 55-jährige Drew gehe nach mehr als drei Jahrzehnten bei JPMorgan Chase "in Rente", wie das Bankhaus mitteilte. Ihr Abgang erfolgt wenige Tage nachdem das Finanzinstitut eingeräumt hatte, durch Fehlspekulationen mit Kreditausfallversicherungen einen heftigen Verlust von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro erlitten zu haben. Solche Versicherungen standen auch im Mittelpunkt der Finanzkrise im Jahr 2008, durch die JPMorgan Chase damals ohne staatliche Hilfe gekommen war.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon erklärte, Drew sei in ihren vielen Jahren bei dem Bankhaus "ein großartiger Partner" gewesen. Die jüngsten Verluste "sollten ihre Leistungen nicht in den Schatten stellen". Drews Nachfolger soll den Angaben zufolge Matt Zames werden, der bislang mehrere Führungspositionen bei JPMorgan bekleidete.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" sollen noch in dieser Woche zwei weitere Manager JPMorgan verlassen. Dabei handele es sich um Achilles Macris, in dessen Verantwortungsbereich in London die riskanten Geschäfte getätigt worden waren, sowie um einen seiner leitenden Mitarbeiter, den Händler Javier Martin-Artajo.

Im Fokus steht auch der französischstämmige Bruno Michel Iksil, der die Hauptschuld für den eingefahrenen Verlust tragen soll. Iksil, der ebenfalls in London handelte, erlangte mit seinen risikoreichen Geschäften in der Szene die Spitznamen "Wal von London" und "Voldemort", nach dem Bösewicht aus den weltberühmten "Harry-Potter"-Büchern von J.K. Rowling.

In der Mitteilung machte JPMorgan zu weiteren personellen Konsequenzen keine Angaben. Dimon hatte den Verlust am Donnerstag auf eigenes Verschulden des Instituts zurückgeführt und der Investmentabteilung "unerhörte Fehler" vorgeworfen. "Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen", hatte Dimon gesagt. Der Bankchef gehört zu den schärfsten Kritikern von Plänen der US-Regierung, den Eigenhandel der Banken mit Kreditausfallversicherungen stark einzuschränken.

Der Aktienkurs von JPMorgan setzte zu Handelsbeginn an der Wall Street seine Talfahrt fort und sank um 2,76 Prozent auf 35,94 Dollar. Dimon betonte, dass "unser Unternehmen sehr solide und gut kapitalisiert" sei. Dank seiner starken Bilanzen könne JPMorgan "Rückschläge wie diesen" überstehen. "Wir werden aus unseren Fehlern lernen", versprach er.

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