Zwei weitere Erhöhungsschritte bis Jahresende anvisiert

US-Notenbank hebt Leitzins um 0,25 Punkte an

Washington (AFP) - Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins moderat erhöht. Die Rate wurde erneut um 0,25 Punkte angehoben und liegt damit nun zwischen 1,75 und 2,0 Prozent, wie die Fed am Mittwoch nach einer Sitzung ihres für die Zinspolitik zuständigen Ausschusses in Washington mitteilte. Sie signalisierte zugleich, dass es in diesem Jahr noch zwei weitere Erhöhungsschritte geben könnte.
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Der Sitz der US-Notenbank Federal Reserve in Washington © AFP

Bereits im März hatte die Notenbank die Rate um 0,25 Punkte angehoben. Der jetzige neue Erhöhungsschritt war von den Analysten erwartet worden. Etwas überraschend kam hingegen der Hinweis der Fed, dass es insgesamt vier Zinssteigerungen im Jahr 2018 geben könnte.

Der bisherige Fahrplan der Notenbank sah nur drei Zinssteigerungen im Jahresverlauf vor - eine Aussage der Fed dazu, dass sich daran etwas ändern könnte, war von den Experten zum jetzigen Zeitpunkt nicht unbedingt erwartet worden.

In der Vorausschau, welche die Zentralbank zusammen mit ihrem Zinsbeschluss veröffentlichte, ist von einem Durchschnittszins von 2,4 Prozent zum Jahresende die Rede, statt den bislang vorhergesagten 2,1 Prozent. Dies deutet auf zwei weitere Zinssteigerungen bis Dezember hin.

Bis Ende 2019 wiederum sieht die Fed die Durchschnittsrate laut dieser provisorischen Vorausplanung bei 3,1 Prozent, statt den bisherigen 2,9 Prozent. Dies wiederum zeigt an, dass es im kommenden Jahr ebenfalls vier - statt der bislang geplanten drei - Zinsanhebungen geben könnte.

Das anvisierte höhere Tempo der Zinssteigerungen deutet möglicherweise darauf hin, dass die Fed eine Beschleunigung der US-Inflation fürchtet. Zinssteigerungen sind das Instrument der Notenbanken, um die Preissteigerung im Zaum zu halten. Derzeit liegt die US-Inflation bei zwei Prozent - und damit dem Wert, den die Notenbank am günstigsten für die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt hält.

Doch beschrieb die Fed das Zwei-Prozent-Inflationsziel als "symmetrisch" - die Formel deutet darauf hin, dass die Notenbank es für akzeptabel hält, wenn die Preissteigerung leicht über die Zwei-Prozent-Marke hinausgeht. Konkret sagte die Fed voraus, dass die US-Inflationsrate am Jahresende bei 2,1 Prozent liegen und bis 2020 auf diesem Niveau verharren wird.

Zugleich verbesserte die Notenbank ihre Bewertung der US-Konjunktur. Sie beschrieb das Wachstum nun als "stark", statt wie bisher als "moderat". Sie machte damit deutlich, dass die US-Wirtschaft aus ihrer Sicht robust genug wächst, um die weiteren anvisierten Zinserhöhungsschritte wegstecken zu können.

Die Fed erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA in diesem Jahr um 2,8 Prozent wachsen wird. Dies ist eine leichte Anhebung der bisherigen Prognose, die bei 2,7 Prozent lag. Die Prognosen für die beiden kommenden Jahr ließ die Notenbank unverändert bei 2,4 beziehungsweise 2,0 Prozent.

Die ohnehin schon historisch niedrige Arbeitslosigkeit in den USA wird laut Vorhersage der Fed weiter sinken und zum Jahresende bei einer Quote von 3,6 Prozent liegen. Für die nächsten beiden Jahre erwartet sie eine Arbeitslosenquote von jeweils 3,5 Prozent.

Nach der Finanzkrise des Jahres 2008 hatte die Fed den Leitzins jahrelang fast auf Nullniveau gehalten. Diesen Kurs beendete sie erst im Dezember 2015. In ihrer Zinspolitik blieb sie aber auch seither überaus vorsichtig, da zu starke Erhöhungen einen konjunkturbremsenden Effekt haben können.

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