Konzern aus Wolfsburg "schrecklich naiv"

US-Senator warnt VW vor Mitbestimmung in US-Werk

Düsseldorf (AFP) - Der Autobauer Volkswagen stößt mit dem geplanten Betriebsrat in seinem US-Werk in Chattanooga auf erbitterten Widerstand konservativer Politiker. Der republikanische Senator Bob Corker sagte dem "Handelsblatt", VW verhalte sich "schrecklich naiv". Die US-Autogewerkschaft UAW - nötig für eine Arbeitnehmervertretung in dem Werk - sei "ein negativer Standortfaktor".
VW-Werk in Chattanooga soll Betriebsrat bekommen Bild anzeigen
VW-Werk in Chattanooga soll Betriebsrat bekommen © AFP

VW hatte das Werk in Chattanooga im südlichen US-Bundesstaat Tennessee im Mai 2011 eingeweiht. Das Werk ist laut UAW der einzige größere VW-Standort weltweit, der bislang über keine Arbeitnehmer-Vertretung verfügt und daher auch keinen Vertreter in den Weltbetriebsrat des Konzerns entsendet.

Das will der Gesamtbetriebsrat ändern. "In puncto Mitbestimmung muss klar sein: Demokratie endet für uns nicht an Werkszäunen. Dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar", sagte VW-Gesamtbetriebsrat-Chef Bernd Osterloh dem "Handelsblatt". Er und Personalvorstand Horst Neumann planen Gespräche mit Corker und dem republikanischen Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam - ebenfalls ein Gegner der Mitbestimmung im VW-Werk.

Betriebsräte wie in Deutschland gibt es in den USA nicht. Die Mitbestimmung läuft über Gewerkschaften, VW führt daher Gespräche mit der UAW. Die Arbeiter im Werk Chattanooga hätten die "einmalige Chance" auf eine neue Art der Mitbestimmung in den USA, hatte die UAW Anfang September mitgeteilt.

Senator Corker sagte dem "Handelsblatt", die UAW "würde nicht nur VW, sondern auch meiner Heimatstadt große Schäden zufügen". Andere Firmen würden einen Bogen um Chattanooga machen. Die Stadt drohe, zu einem "zweiten Detroit" zu werden. Die US-Autometropole Detroit erlebt seit vielen Jahren einen Niedergang. Konservative Politiker lasten dies der starken Autogewerkschaft an, die zahlreiche Privilegien für die Beschäftigten erkämpft hatte.

Im Werk eines ausländischen Autokonzerns ist die UAW bislang nicht vertreten. Sollte dies bei VW gelingen, dürfte auch der Druck auf Mercedes und BMW steigen, in ihren US-Werken in den benachbarten Bundesstaaten Alabama und South Carolina Betriebsräte einzurichten. Derzeit versucht die Gewerkschaft auch, im Werk des japanischen Autobauers Nissan in Canton, Mississippi, Fuß zu fassen.

Die UAW hatte in ihren Glanzzeiten Ende der 70er Jahre rund 1,5 Millionen Mitglieder. Heute sind es noch 383.000. Viele Beschäftigte denken, sie könnten sich die Beiträge für eine Gewerkschaft sparen.

Es gibt aber Anzeichen, dass sich der Trend wieder umkehrt: In Oklahoma etwa traten Anfang des Jahres 650 Arbeiter einer Busfabrik der UAW bei. In Kalifornien gewannen die Gewerkschaften nach erfolgreichen Streiks in der Gesundheitsbranche und in Autowäschereien im vergangenen Jahr 100.000 neue Mitglieder; der Anteil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent.

"Die Argumente der Gewerkschaften zu den Themen wirtschaftliche Gerechtigkeit und Einkommensungleichheit kommen in der amerikanischen Gesellschaft langsam an", sagte Harley Shaiken von der University of California in Berkeley der Nachrichtenagentur AFP.

Bewerten Sie diesen Artikel

0.0
0,0 (0 Stimmen)

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Noch keine Kommentare vorhanden

Zu diesem Artikel wurde noch kein Kommentar hinterlassen, schreiben Sie doch den ersten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder
Als Startseite festlegen Facebook Twitter RSS-Feeds Mobile