Wirtschaft sieht Bewerbermangel - DGB kritisiert Firmen

Unternehmen bilden trotz Fachkräftemangels weniger aus

Nürnberg/Berlin (AFP) - Die Unternehmen in Deutschland bilden trotz Fachkräftemangels immer weniger aus: 2010 schulten nur noch 22,5 Prozent der Firmen Azubis, während die Ausbildungsquote in vielen Jahren zuvor bei rund 24 Prozent gelegen hatte, wie aus Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht. Der DGB forderte mehr Engagement der Wirtschaft - die Wirtschaft selbst dagegen beklagte einen Mangel an Bewerbern.
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2008 bildeten noch rund 24 Prozent der damals 2,06 Millionen Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus (494.000 Ausbildungsbetriebe). 2009 verringerte sich der Anteil bereits auf knapp 23,5 Prozent (485.000). 2010 bildeten schließlich noch 469.000 Firmen aus, was der Quote von 22,5 Prozent entsprach. Zuvor hatte die Ausbildungsquote den Angaben zufolge in vielen Jahren weitgehend konstant bei 24 Prozent gelegen - mit leichten Abweichungen nach unten oder oben.

Die Zahlen der BA sind Grundlage für den alle zwei Jahre veröffentlichten Bundesbildungsbericht, der im Auftrag des Bildungsministeriums und der Kultusministerkonferenz erstellt wird. Der Bericht soll der Bundesregierung einen Überblick über den Stand des Bildungswesens geben.

Deutschlands Unternehmen beklagen seit einigen Jahren einen wachsenden Fachkräftemangel. Die Ausbildung in vielen Berufsfeldern erfolgt üblicherweise zweigleisig: in Firmen, mit denen Schulabgänger Ausbildungsverträge abschließen, und in Berufsschulen.

Die Bundesregierung merkte zum Rückgang der Zahl ausbildender Betriebe im Entwurf des Bundesbildungsberichts 2012 an, dass es weder in den alten noch den neuen Bundesländern "in den letzten elf Jahren so große prozentuale Bestandsrückgänge" wie 2010 gegeben habe, wie die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Dokument zitiert. Dies sei "auffällig".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf der Wirtschaft schwindendes Engagement in der Ausbildung vor. Dies könnten die Unternehmen "nicht mit dem demografischen Wandel begründen", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock der SZ. "Bewerber gibt es genug." In Wahrheit übersteige die Zahl der unversorgten Bewerber die Zahl der offenen Plätze um mehr als das Doppelte.

Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) hingegen teilte mit, 2011 seien 75.000 Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben. Fänden Betriebe über Jahre keine Azubis, zögen sie sich aus der Ausbildung zurück, erklärte DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann. Die schwindende Zahl der Ausbildungsbetriebe zeige statt eines verringerten Engagements der Wirtschaft, dass immer mehr Betriebe bei der Suche nach Auszubildenden leer ausgingen. Bewerbermangel und Fachkräftemangel träfen die Unternehmen zugleich.

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