Börsig hat auch künftig Büro und Chauffeur

Vorrechte für scheidenden Deutsche-Bank-Chefkontrolleur

Berlin (AFP) - Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Clemens Börsig wird einem Bericht zufolge auch nach seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat weiter weitreichende Privilegien genießen. Börsig werde zumindest vorübergehend sein Büro in dem Hochhausturm der Zentrale in Frankfurt am Main behalten, in dem auch die Vorstandsmitglieder säßen, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf Bankenkreise. Begründet werde diese Sonderbehandlung damit, dass Börsig seinem Nachfolger Paul Achleitner als künftigem Aufsichtsratschef die Einarbeitung erleichtern solle.
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt © AFP

Börsig stünden nach seinem Ausscheiden aus dem Kontrollgremium der Deutschen Bank offenbar auch eine Sekretärin und ein Fahrer vertraglich zu, berichtet die Zeitung. Dies habe sich Börsig schon bei seinem Wechsel vom Vorstand auf den Chefposten des Aufsichtsrates zusichern lassen. Börsig war von 2001 bis 2006 Finanzvorstand der Deutschen Bank.

Zudem gelte es inzwischen als sehr wahrscheinlich, dass Börsig künftig die Deutsche-Bank-Stiftung leiten werde, berichtet das Blatt. Die Stiftung ist in den Bereichen Bildung, Musik und Soziales aktiv. Auch diese Regelung habe sich Börsig vorab zusichern lassen, als sein Weggang aus dem Aufsichtsrat im Sommer vergangenen Jahres beschlossen worden sei.

Der Personalie muss noch der neue Vorstand zustimmen. Mit der Hauptversammlung am Donnerstag will der bisherige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nach rund zehn Jahren den Chefposten räumen und für eine Doppelspitze frei machen, die aus dem bisherigen Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und Chef-Investmentbanker Anshu Jain besteht. Allianz-Finanzvorstand Achleitner soll zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werden.

Die Privilegien für Börsig könnten bei der Hauptversammlung für zusätzlichen Zündstoff sorgen. Mehrere Aktionärsvertreter hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern zu wollen. Sie werfen Börsig Mängel bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Ackermann vor. Wie die "Welt" unter Berufung auf Bankenkreise berichtet, wird zudem moniert, Börsig habe nach seinem Amtsantritt 2006 Privilegien für Alt-Manager der Bank gekappt, beharre nun aber auf eigene, vertraglich zugesicherte Ansprüche.

Deutschlands größtes Bankhaus erklärte gegenüber der Zeitung, Börsig bleibe nach "seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank verbunden und nimmt weiterhin in ihrem Interesse Mandate bei Unternehmen, kulturellen sowie gemeinnützigen Organisation wahr". Hierfür erhalte dieser die nach den Regeln der Bank nötige Unterstützung. Börsig ist unter anderem Aufsichtsratsmitglied bei Daimler und Linde.

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