Als Puppentheater für Erwachsene

DECAMERONE – Boccaccios berühmte Erzählungen

Eisenach (pm/sg) - Bühnenadaption der weltbekannten Sammlung erstmals am 3. Juni im Landestheater. „Decamerone“ gilt heute als Ursprung der italienischen Prosa, als ein Werk, das die Weltliteratur nachhaltig beeinflusst hat. Die Sammlung von Giovanni Boccaccio, die etwa zwischen 1349 und 1353 entstanden ist, spielt in der romantischen Kulisse eines Landhauses bei Florenz.

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DECAMERONE – Boccaccios berühmte Erzählungen

© Foto: Theater

In diesem von der draußen heftig wütenden Pest geschützten Raum erzählt sich eine Gruppe junger Menschen diverseste Geschichten, um sich die Zeit zu vertreiben. Jeden Tag wählen sie eine Königin oder einen König, die einen Themenkreis vorgeben muss, zu dem sich jeder der Anwesenden eine Geschichte ausdenken und zum Besten geben muss. Auf diese Weise werden – daher der Name „Decamerone“ – zehn Tage lang zehn mal zehn Geschichten erzählt („deka“ = griechisch „zehn“). Die Bühnenadaption für erwachsenes Publikum, die als eine Co-Produktion zwischen dem Meininger Puppentheater und Schauspielern des Meininger Theaters entstanden ist und die das Theater Eisenach erstmals am Sonntag, 3. Juni, um 19.30 Uhr zeigt, verlegt die Rahmenhandlung von der schwarzen Pest ins Heute und zeichnet sie als grauen, den letzten Lebensnerv drosselnden Alltag. Hier steht ein erschöpfter Gelehrter kurz davor, den Tod im Wasser zu suchen, als er seine Sinne, die er bislang ignoriert hat, zu sich sagen hört: „Ich habe vorgeschlagen: lass uns tanzen, lieb mich, lach mit mir, verschenk dich an das Leben!“ Und der eben noch tiefmelancholische Mann stürzt sich kopfüber ins pralle Leben – das ihn bunt und gestaltenreich empfängt. Unverwechselbare Charaktere, gestaltet vom renommierten Holzschnitzer Udo Schneeweiß, erzählen ganze Bände und zeigen wunderbar Profil. So kommen zwar nicht zehn Tage lang Geschichten zu Gehör, aber es gibt in eineinhalb Stunden gut zwei Handvoll Begebenheiten: Geschichten um Sehnsucht und Triebhaftigkeit, Verliebtheit und Gier, Schonungslosigkeit und Sinnesfreude. Und da das Spiel als Co-Produktion von Schauspiel und Figurentheater sich mittels der Puppen auch das erlauben darf, was Menschen „nicht dürfen, können oder wollen“, so macht Regisseur Ulrich Kunze neugierig, darf man sich auf überraschende Augenblicke freuen. „Zwar findet kaum eine Figur das Paradies, doch für kurze Zeit in sexueller Glut den Garten Eden auf Erden“ beobachteten die Rezensenten der Meininger Aufführung und freuten sich über die „deftige Frechheit“ und die frivolen Späße mit „viel Witz und Tempo“. Karten: Theaterkasse (03691-256 219), Eisenacher Tourist-Information (03691-792 323).

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