Suhl (pm/sg) - Die Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen lädt ein zu einer Diskussion mit Radsportlegende Wolfgang Lötzsch. Trotz zahlreicher Siege bei vielen Rennen, durfte Wolfgang Lötzsch nicht bei der Friedensfahrt, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen starten. Weil sein Cousin Jahre zuvor in den Westen floh und Lötzsch nicht in die SED eintreten wollte, galt auch er plötzlich als verdächtig. Dabei wollte er ursprünglich der DDR gar nicht den Rücken kehren.
Seiner Entlassung aus dem Sportclub Karl-Marx-Stadt 1972 und damit dem Ende jeglicher sportlichen Förderung, folgten 1976 zehn Monate im Stasi-Knast wegen angeblicher Staatsverleumdung. Er war alles andere als ein Revoluzzer, aber er war auch kein Opportunist. Und das genügte, um sich den Unwillen eines ganzen Staates zuzuziehen. So begann das Spießrutenlaufen. Doch Wolfgang Lötzsch ließ sich nicht unterkriegen.
In Betriebssportgemeinschaften trainierte er verbissen weiter, wurde DDR-Meister auf der Bahn. Fuhr siebzehn Jahre bis zum Mauerfall ohne Dopingmittel und sportmedizinische Betreuung, gegen einen eisigen Wind. Von Sieg zu Sieg, bis hin zum damals längsten Amateurrennen Prag-Karlsbad-Prag über 270 Kilometer, das er 1986 gewann. Aber in das westliche Ausland zu Wettkämpfen oder selbst nach Afrika, wo das DDR-Nationalteam öfters im Trainingslager war, durfte er bis 1989 nie reisen. „Der hat die Sonne nicht gesehen“ so hieß es damals. Sein Schicksal, in die Fänge des DDR-Geheimdienstes geraten zu sein, - seine Stasi-Überwachungs-Akte umfasst über 2000 Seiten-, beschäftigt ihn bis heute.
Insgesamt 50 Stasi-Spitzel waren auf ihn angesetzt, darunter auch gute Freunde. Seine Geschichte, die auch für junge Menschen sehr interessant ist, ist ein klassisches Drama über Freundschaft und Verrat, Opportunismus und Widerstand. Und sie erzählt, wie ein unpolitischer Mensch eine Widerstandskraft entwickelt, die einen ganzen Staatsapparat aus der Fassung bringt.
2004 erschien seine Biografie „Lötzsch - Der lange Weg eines Jahrhunderttalents“ und 2007 der Dokumentarfilm „Sportsfreund Lötzsch“, der mehrfach im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wurde. Der 59-jährige Ausnahmesportler und Bundesverdienstkreuzträger hat in den vergangenen Jahren mit vielen Schülern in zahlreichen Bundesländern diskutiert und ihnen von seinen eindrücklichen Lebenserfahrungen berichtet. Mehrfach war Lötzsch übrigens auch zu DDR-Zeiten beim damals bekannten Bergrennen „Rund um Schleusingen“ erfolgreich am Start.
Zum ersten Mal kommt Lötzsch nun nach zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland, nach Suhl zurück.
Die Diskussion mit Wolfgang Lötzsch findet am 8. Mai um 19.00 Uhr auf dem Friedberg in Suhl, Weidbergstraße 14 in der Aula der ehemaligen Offiziershochschule der DDR-Grenztruppen statt. Der Hörsaal wird übrigens zum ersten Mal für eine solche Veranstaltung genutzt. Der Sportjournalist Thomas Purschke übernimmt die Moderation des Gesprächs mit Wolfgang Lötzsch.
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