Erfurt – Das was für andere Kinder völlig normal ist – lauthals lachen, fröhlich sein, alles essen und trinken können – das war für die sechsjährige Nooria aus Afghanistan ein Traum. Das Mädchen litt an einer Gelenkverknöcherung zwischen Schädelbasis und Unterkiefer, konnte den Mund nur zwei Millimeter öffnen.
Sie kam durch die Kinderhilfsorganisation Friedensdorf ins HELIOS-Klinikum und in die Hände von Professor Dr. Hans Pistner, Chefarzt der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. In einer zweieinhalbstündigen Operation wurde die Verknöcherung gelöst. Nooria hatte in ihrer Heimat einen schweren Unfall. Was genau passierte, weiß auch der Professor nicht. Und Nooria war zu klein, um darüber sprechen zu können. Nach der gelungenen Operation kann das Mädchen jetzt den Mund etwa 23 Millimeter öffnen – und damit das so bleibt und besser wird, übt sie jeden Tag. Das geht am besten mit Holzspachteln. Zwölf Stück kann sie schon zwischen die Zähne stecken. Und einen Löffel bzw. eine Gabel bekommt sie problemlos in den Mund und kann nun auch wieder richtig essen. Spaghetti mit Tomatensoße ist eines ihrer Lieblingsessen oder Butterbrot mit Schokolade (Nutella). Vor der Operation hat sie sich hauptsächlich flüssig ernährt. Professor Pistner erklärt: „Diese Kinder haben einen enormen Überlebenswillen. Sie hat sich andere Speisen, Brot beispielsweise, so klein gekrümelt, dass sie es in den kleinen Spalt schieben konnte.“ Jetzt geht es in der Klinik noch darum, dass Nooria einige Milchzähne gezogen werden müssen, damit die zweiten Zähne wachsen können und sich das Gebiss normalisiert. Dann geht Nooria zunächst zurück ins Friedensdorf und später in ihre Heimat. Und dorthin nimmt sie ein Andenken an die Zeit im Klinikum mit – das hatte sie sich so sehr gewünscht: Ein Paar kleine goldene Schmetterlingsohrringe. Im HELIOS-Klinikum wird einmal im Jahr ein Kind mit schweren Verletzungen oder Missbildungen aus Krisen und Kriegsgebieten behandelt. Die Vermittlung erfolgt durch die Kinderhilfsorganisation Friedensdorf.
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