Suhl (Barmer/sg) - Endlich Urlaub. Endlich Zeit abzuschalten. Doch kaum könnte man die Seele baumeln lassen, treten plötzlich Kopfschmerzen auf oder eine Erkältung kündigt sich an. Experten nennen dieses Phänomen die "Freizeit-Krankheit". Schuld daran ist Stress.
Das Phänomen ist weit verbreitet: Allein in Deutschland leidet Schätzungen zufolge rund ein Viertel der Arbeitnehmer an der Freizeit-Krankheit (engl. Leisure Sickness). Immer dann, wenn sie ihr Wochenende oder ihren Urlaub genießen könnten, bekommen sie Kopf- oder Muskelschmerzen oder fühlen sich allgemein müde und erschöpft. "Das sogenannte Freizeit-Krankheits-Syndrom gehört in den Bereich der psychosomatischen Erkrankungen, da es in der Regel keine organischen Ursachen gibt", sagt Dr. Ursula Marschall.
Ja-Sager besonders gefährdet
Besonders gefährdet sind nach Ansicht der leitenden Medizinerin bei der Barmer GEK Workaholics und Perfektionisten. "Wer sich ständig zuviel Arbeit aufbürdet, sich für alles verantwortlich fühlt, Angst vor Fehlern hat und nicht 'Nein' sagen kann, lebt im Dauerstress. Körper und Immunsystem arbeiten permanent auf Hochtouren. Dadurch werden Stresshormone ausgeschüttet, die selbst die letzten Energiereserven mobilisieren. Es kommt zu einer allgemeinen Anspannung und Nervosität, die zusätzlich den Blutdruck erhöhen. Lässt die Anspannung nach, fährt auch das Immunsystem herunter und der Betroffene wird krank."
Aktive Entspannung
Damit ein solches Verhalten nicht in einem Burnout-Syndrom endet, heißt es, so schnell wie möglich die Reißleine zu ziehen und die alten Verhaltensmuster zu durchbrechen. Doch das ist oft leichter gesagt als getan. Viele müssen das Entspannen erst wieder lernen. "Wichtig ist eine bewusste, aktive Entspannung. Als besonders hilfreich haben sich hier die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und Yoga erwiesen. Auch jede Form von sportlicher Aktivität kann helfen", so Marschall. Denn die Energie, die sich durch den Arbeitsstress im Körper anstaut, wird durch Bewegung abgebaut: Nach dem Sport entspannen sich die Muskeln und der Blutdruck sinkt. Mindestens einmal am Tag sollte man außer Atem kommen – egal, ob durch Radfahren, Treppensteigen oder den Sprint zum Bus. Und mindestens zweimal pro Woche sollten 30 Minuten Ausdauersport auf dem Programm stehen. So kann der Körper regelmäßig seine Reserven wieder aufladen und muss nicht im Urlaub eine Zwangspause einlegen.
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