Hat die Verkehrspolitik in Weimar die Perspektiven überhaupt erkannt?

Ein Auf-Rufer in der Wüste?

Weimar (KHK/haw) – Wenn jetzt der neue Oberbürgermeister von Weimar inthronisiert wird, sollte man immer daran denken: Es ist der gleiche wie vorher. Was ja an sich kein Problem ist… Nur der Stil des Regierens bleibt auch der gleiche. Und das ist das Dilemma. 

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Ein einsamer Rufer in der Wüste?  Dipl.-Ing. Karl-Heinz Kraass, Ortsteilbürgermeister Oberweimar-Ehringsdorf, macht erneut und wiederholt aufmerksam, dass nicht alles zum Guten läuft mit der Entwicklung des Verkehrs in Weimar: „Wohin sind eigentlich die Protestierer und Musikanten von ,Nächster Halt – Weimar‘verschwunden. Ausgesungen?“ Hier in Oberweimar hätten sie ein weiter Feld zum Singen. Hier spitzen sich nämlich die Probleme immer weiter zu. 

© Foto: haw

Mit wachen Augen und kritischem Blick beobachtet Karl-Heinz Kraass, Ortsteilbürgermeister von Oberweimar/Ehringsdorf, die Aktivitäten der Stadtverwaltung. Und besonders auch die Nicht-Aktivitäten. Kraass: „Die Stadt liebäugelt man im so genannten ‚Integrierten Stadtentwicklungskonzept  2030 (ISEK)‘ mit weiteren Wohngebieten im Osten Weimars, Ein bisschen Ortskenntnis oder ein Blick auf die Landkarten zeigt: Hier wird noch die letzten Möglichkeiten einer sinnvollen Anbindung des Südens , insbesondere von Oberweimar/Ehringsdorf, verbaut. Hier sollen Hauptdurchgangsstraßen durch Wohngebiete entstehen! Ein Fehler, den vergangene Generationen teilweise durch Fehleinschätzungen der im Zeitlauf entstehenden Verkehrsdichte immer wieder gemacht haben. Das hat uns heute die vielfältigen Probleme in der Martin-Luther-Straße und der Bodelschwinghstraße/Jenaer Straße /Friedrich-Ebert-Straße. usw. beschert. Unsere Generation – mit dem neuen, alten Oberbürgermeister an der Spitze, ist drauf und dran, wiederum in solche Fußstapfen zu treten. Und Fehler zu bauen. Davor hat schon Goethe gewarnt.“

 

Mehr Autos, keine Parkplätze

Stellt sich überhaupt die Frage: Wie reagiert die Stadt Weimar auf die Herausforderungen der Zukunft?  Durch die kommende umweltfreundliche Elektromobilität und mögliche Wasserstoffantriebstechnik wird die individuelle Mobilität im Nahverkehr weiter STEIGEN. Die Verkehrsdichte wird sich noch weiter erhöhen. Diese Entwicklung wird um Weimar keinen Bogen machen. Trotz der liebenswerten Pferdekutschen.

Karl-Heinz Kraass: „Man muss kein Prophet sein: Im Fernverkehr wird die schienengebundene Zubringerfunktion zum ICE-Knoten Erfurt und zu den Flughäfen eine steigende Bedeutung erlangen. Dazu wäre auch eine neue Haltstelle Weimar-Ost geeignet.“

Wenn man  diese mögliche Entwicklung heute bereits kennt, dann kommt es darauf an, durch Beseitigung der Bahnübergänge den Individualverkehr flüssig zu halten und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Weiterhin ist es notwendig an den Bahnhöfen (gilt insbesondere für den Bahnhof Oberweimar) vermehrt Stellplätze zu schaffen. Damit kann der schienengebunde Zubringerverkehr zum ICE-Knoten Erfurt als Tor zur Welt besser genutzt werden. Mehr Verkehr auf die Schiene bringen ist ein großes Ziel. In diesem Rahmen würden zusätzliche Haltestellen das innerstädtische Straßennetz zu entlasten.

Kraass: „Beide Erfordernisse für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung inklusive Lärmschutz sind bei den bisherigen Planungen NICHT beachtet und vorgetragen worden.“ Warum nicht? Ist diese Stadtverwaltung überfordert, wenn die Aufgaben größer sind als die Reparatur von Löchern auf Gehwegen?

 

Über die Bahn

Das 19. Jahrhundert hat großzügig gedacht. Obwohl es noch keine Autos gab, wurden auf der Mitte-Deutschland-Schienenverbindung im Bereich Oberweimar 3  (DREI!) Bahnübergänge angelegt. Da ist es fast verzeihlich, wenn aus Kostengründen der Bahnübergang Waldschlößchen-Gottfried-Keller-Straße  schiefwinklig zur Straßenführung angelegt wurde. Doch heute ist das auch noch gefährlich! Damals war dies nur ein Ausweichübergang. Er sollte helfen, die Wege für pferdegezogene Erntewagen und landwirtschaftliche Geräte zu verkürzen. Würde sich heute jemand im Vorfeld schon Gedanken darüber machen?

In der DDR-Zeit wurde der Hauptbahnübergang Martin-Luther-Straße geschlossen  und „zurückgebaut“. Damit blieben nur der Bahnübergang in der Bahnhofstraße am Bahnhof  Oberweimar und der Übergang Gottfried-Keller-Straß als Ausweichübergang von und zur B7 erhalten. Was bei der damaligen Verkehrsdichte immer noch ausreichend war.

 

Zwei Gleise, aber…

Nach 67 Jahren hat man sich aufgrund der dringenden Notwendigkeiten eines Zubringers für den entstehenden ICE-Knoten Erfurt endlich dazu bekannt, die seit Juni 1876 bestandene und durch die Reparation 1945 beseitigte Zweigleisigkeit zwischen Jena-West und Weimar Hbf. wieder vollständig herzustellen. Auch wenn das schon in den 1990er Jahren fortdauernd im Gespräch war und nur bis Großschwabhausen dann letztendlich erfolgte.

Karl-Heinz Kraass: „Der Landkreis Weimarer Land hat das Zeitfenster genutzt und ein langwieriges Problem mit dem jetzt begonnenen Rückbau des Bahnüberganges Kleinschwabhausen zur Lösung gebracht.“

Mit minimalstem Aufwand wird die Zweigleisigkeit hergestellt. Die Elektrifizierung ist ebenfalls verschoben. Das wird später weitere Sperrungen und zusätzliche Kosten verursachen, da auch die Lichtraumprofile von Brücken (auch im Bereich Oberweimar) nicht den Erfordernissen entsprechen.

 

Neue Probleme für Anlieger

Kraass: „Sinnvolle Maßnahmen werden also auf nächste Generationen verschoben. Vielleicht sogar bis ins 22. Jahrhundert. Nach dem Motto: ‚Die Anlieger werden es schon verkraften. Sie haben es ja auch bisher verkraftet.‘“ Es bleibt also nur der schwache „Trost“, dass durch die unaufhaltsame technologische Entwicklung wenigstens Abgase und Lärm weniger werden...

Modern und den Erfordernissen der Zeit angepasst, kann man eine solche Entwicklung wohl nicht nennen, weil sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße viele nicht notwendige – also „faule“ und „oberfaule“ - Kompromisse die Beseitigung der Probleme ausbremsen.

Karl-Heinz Krass: „Oberweimar trägt die Hauptlast dieser unbefriedigenden Planungen. Die Menschen, die hier leben, werden regelrecht von der modernen Verkehrsentwicklung abgeschnitten. Auf deren Hinterhof gedrängt.“ Wohin sind eigentlich die Protestierer und Musikanten von „Nächster Halt – Weimar“ verschwunden. Ausgesungen? Was das alles nur ein gut eingefädeltes Wahlkampftheater?

Karl-Hein Krass: „Mein Ruf geht deshalb an alle Beteiligten, insbesondere auch die Fraktionen des Stadtrates, nicht länger die Augen vor den Realitäten zu verschließen und auf andere Institutionen zu hoffen, anstatt selbst etwas zu tun. Jeder kleine Ort bekommt seine Entlastungen. Von Kleinschwabhausen über Wutha-Farnroda oder Worbis angefangen. Wird die Europäische Kulturstadt Weimar weiter mit Halbherzigkeiten leben?“ 

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