In Eisenach geht es morgen darum, ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. Die Bürger der Stadt entscheiden an diesem Sonntag, ob es in Eisenach mit einer bürgerlichen oder einer linken Führung weitergeht. Die anstehende OB-Wahl bezeichnet Raymond Walk daher als die wichtigste Entscheidung der letzten Jahre. Bei keiner anderen Abstimmung könne der Wähler so unmittelbar und direkt die Zukunft mitbestimmen. „Ein Oberbürgermeister muss eng mit dem Stadtrat zusammen arbeiten können und vor allem auch in der Lage sein, eine große Verwaltung zu führen“, so ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu unserer Zeitung. Raymond Walk hat hierzu die erforderliche Qualifikation. Hat er doch bereits mehrere Behörden (Leiter der PI Eisenach, Polizeidirektionen Gotha und Erfurt, Referatsleiter im Thüringer Innenministerium) geführt. Die Interessen der Bürger und die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter war stets sein größtes Anliegen und so soll es auch in Zukunft bleiben. Wir wollen heute nachfragen, wie sein bisheriger Weg verlaufen ist, welche Vorstellungen er bei einer Wahl zum Oberbürgermeister hat, um Eisenach erfolgreich in die Zukunft zu führen.
Interview
Frage: Sie sind Leitender Polizeidirektor und waren schon Leiter mehrerer Polizeibehörden. Welche Voraussetzungen muss man als Behördenleiter mitbringen?
Antwort: Ich habe an der Verwaltungs-Fachhochschule (Fachbereich Polizei) in Wiesbaden mein erstes Studium absolviert. Mit der friedlichen Revolution in Deutschland – ein Glücksfall der Geschichte – nahm ich die Herausforderung an, nach Thüringen zu wechseln. Später studierte ich an der Polizeiführungsakademie Münster – heute Deutsche Hochschule der Polizei – und absolvierte mein zweites Staatsexamen. Das Wort Führungsakademie sagt es schon, es geht in besonderem Maße um Führungstätigkeit und Mitarbeiterführung. Aber auch um die Leitung von Großdemonstrationen, Verkehrslehre und natürlich Verwaltungsrecht.
Frage: Hat das auch etwas mit Verwaltung zu tun? Sie wollen Oberbürgermeister werden und einer Stadtverwaltung vorstehen.
Antwort: Ja, selbstverständlich – wenn man das Wort Polizei weglässt, bin ich Diplom- Verwaltungswirt. Polizei hat spezifische Aufgaben. Jedoch unterscheiden sich die Verwaltungsabläufe innerhalb von Behörden und Einrichtungen nur wenig, ob Stadtverwaltung oder Polizeidirektion.
Frage: Wie viele Mitarbeiter hatten Sie in Ihren bisherigen Tätigkeiten „unter sich“?
Antwort: Die großen Behörden, wie die Polizeidirektionen Gotha und insbesondere in der Landeshauptstadt Erfurt haben rund 1.000 Mitarbeiter. Wichtig für das bürgerfreundliche Wirken einer Behörde ist, die Mitarbeiter „mit ins Boot“ zu nehmen. Erfolgreich ist man nur gemeinsam! Die Stärken der Mitarbeiter zu erkennen, sie in Prozesse einzubinden und Verantwortung zu übertragen sind hierbei wichtige Grundsätze. Dies ist die Basis für erfolgreiches Arbeiten. Ein guter Leiter, egal ob in der Stadtverwaltung oder bei der Polizei, zeichnet sich durch seine Führungsfähigkeit aus. Damit ist eben nicht das sture Erteilen von Anweisungen gemeint, sondern vor allem das Aufnehmen von Situationen und Problemen, die es dann gilt im Rahmen des Möglichen gemeinsam zu lösen. Die Mitarbeiter im Gegenzug
wissen dies zu schätzen.
Frage: Wie stellen Sie sich Bürgerfreundlichkeit vor?
Antwort: Für mich heißt das auf alle Fälle, immer nah am Menschen zu sein, die Gedanken und
Hinweise aufzugreifen und nach Lösungen zu suchen. Ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Eisenacher zu haben, sehe ich als Grundvoraussetzung für das Amt des Oberbürgermeisters. Eine Behörde, besonders eine Stadtverwaltung, ist für die Bürger da und nicht Selbstzweck. Kommt jemand mit einem bestimmten Problem, muss er beraten werden und eine Antwort erhalten, mit der er etwas anfangen kann. Bürgerfreundlich heißt für mich, Lösungen im Sinne der Menschen umsetzen.
Frage: Gibt es Dinge, die Sie ärgern?
Antwort: Eigentlich eher selten. Aber natürlich ärgere ich mich schon, wenn nicht ehrlich miteinander umgegangen wird. Ehrlichkeit, Fairness und Glaubwürdigkeit sind die Grundlagen für Vertrauen. Ohne Vertrauen keine konstruktive Zusammenarbeit.
Frage: Wie kompensieren Sie die Anstrengungen der letzten Tage und Wochen?
Antwort: Ich habe eine tolle Familie, auf die ich mich jederzeit verlassen kann. Meine Frau und meine zwei Töchter unterstützen meine Entscheidung, OB werden zu wollen. Gegen Stress hilft bekanntlich Sport. Nicht nehmen lasse ich mir daher das täglich Joggen, um fit zu bleiben – auch wenn es hin und wieder schwer fällt...
Frage: Sie sind keiner Partei zugehörig. Wo sehen Sie sich im politischen Spektrum?
Antwort: Ich habe keine Parteikarriere gemacht. Für mich als Polizeichef einer Region war es immer wichtig und selbstverständlich, Ansprechpartner aller Bevölkerungsschichten zu sein – ein Parteibuch passt dazu nicht. Dies ist meine Grundüberzeugung. Ich sehe mich als Kandidat der bürgerlichen Mitte. Im Stadtrat gibt es eine bis 2014 bestehende Koalition, die sich aus CDU, SPD und Bürger für Eisenach (BfE) zusammensetzt. Diese Stadtratsmitglieder verkörpern, als gewählte Vertreter, ein breites bürgerliches Spektrum. Und genau dafür stehe ich! Die Menschen sind zu Recht stolz auf ihre Stadt und lieben Eisenach.
Morgen Abend gegen 19.30 Uhr wird klar sein, wer an der Spitze der Stadt Eisenach stehen wird: Bürgerliche Mitte oder Linke
Noch keine Kommentare vorhanden