Erfurt( dr. sproßmann) - Die milden Temperaturen der letzten Wochen haben den Fichtenborkenkäfer, einer der gefährlichsten Schädlinge der Thüringer Forstwirtschaft, in seiner Entwicklung befördert.
Mit diesen schwarzen Borkenkäferfallen wird Beginn, Exposition und Stärke der Käferangriffe beobachtet - derzeit herrscht Hochbetrieb!
© Foto: ThüringenForst AöRErstmals für dieses Jahr stellt die Landesforstanstalt massiven Schwärmflug in den unteren Waldlagen fest. In den, für die Überwachung dienenden, Borkenkäferfallen ließen sich innerhalb weniger Tage tausende Käfer feststellen. Damit sind Förster und Waldbesitzer gewarnt und greifen zu ersten Vorsorge- und Schutzmaßnahmen. Jetzt gilt es vor allem im Wald lagerndes frisch geschlagenes Holz zügig abzufahren. Dieses ist besonders attraktiv für den Käfer, er bohrt sich in die Rinde ein und verrichtet dort sein Brutgeschäft. Schon nach sechs bis acht Wochen fliegt die erste Generation wieder aus. Der Fichtenborkenkäfer neigt zu Massenvermehrungen. Je nach Witterungsverlauf und Brutmaterialangebot kann ein einzelnes Borkenkäferpaar von Frühjahr bis Herbst rund 60.000 Nachkommen produzieren. „Durch gezieltes Betriebsmanagement und vorsorgende integrierte Forstschutzmaßnahmen können wir auf den Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln verzichten“, erklärt Volker Gebhardt, Vorstand der Landesforstanstalt. So erschwert die Lagerung von Holz in kühlen feuchten Tallagen den Angriff des wärmeliebenden Käfers. Frisch eingeschlagenes Holz wird wo möglich umgehend aus dem Wald transportiert. Wo dies nicht zu schaffen ist werden die Holzstämme im Wald entrindet und damit für den Käfer uninteressant. Selbst die natürlichen Feinde des Käfers werden durch die Grünröcke einbezogen: Spezielle Spechtbäume sorgen für hohe Artenzahlen, der Käfer steht auf der Nahrungsliste des Spechts ganz weit oben. Auch der Ameisenbuntkäfer, der große Mengen von Borkenkäfern vertilgen kann, wird durch die Förster geschützt. Die letzte große Borkenkäferplage trat 2007 in Thüringen nach dem Jahrhundertsturm Kyrill auf. Die enormen Sturmholzmengen, die wegen der gefährlichen Arbeit nur langsam aufzuarbeiten waren, hat der Käfer zur Massenvermehrung genutzt. Die Käferpopulation konnte erste wieder 2010 auf ein forstlich akzeptables Maß zurückgeführt und damit die Hauptbaumart im Freistaat Thüringen, die Fichte, geschützt werden.
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