Gewissenruh/Gottstreu (hai) - Die 1722 im Wesertal gegründeten „Franzosendörfer“ Gottstreu und Gewissenruh gelten als jüngste und nördlichste Waldenserkolonien Deutschlands. Bereits 1698 hatten die Waldenserfamilien ihre in den Cottischen Alpen gelegenen Heimatorte um des evangelischen Glaubens willen verlassen müssen. Von 1699 bis 1720 lebten sie in den württembergischen Waldenserorten Pinache und Serres, brachen dann in Richtung Ostpreußen auf und gelangten nach mancherlei Umwegen an die Weser.
Als erste offizielle Delegation nach nunmehr 292 Jahren hatte sich Ende April der Waldenser-Freundeskreis aus Pinache und Serres mit 40 Personen auf den Weg gemacht, um die Tochtergemeinden im Wesertal zu besuchen und die historisch gewachsenen Verbindungen wieder aufleben zu lassen. So konnte Hans Jouvenal, gebürtig aus Serres, dem Gewissenruher Gastwirt und Namensvetter Thorsten Jouvenal ein historisches Familienwappen überreichen, da auch dessen Familie bis 1720 in Serres ansässig war.
Thomas Ende vom Verein der Waldenserfreunde Gottstreu/Gewissenruh begleitete die Gäste vor Ort in Oberweser, Hann. Münden und anlässlich einer Rundfahrt durch den Kirchenkreis Hofgeismar.
In Gottstreu hatten die örtlichen Waldenserfreunde die Reisegruppe zu Kaffee und Kuchen aus dem Dorfbackhaus eingeladen. Anschließend wurde das Waldensermuseum besichtigt.
Ein Begegnungsabend in Oberweser rückte nochmals die Gemeinsamkeiten der schwäbischen und nordhessischen Waldenser in den Mittelpunkt. Auch Bürgermeister Rüdiger Henne (Oberweser) und Gudrun Haag (Kirchenvorstand Gottstreu) sowie die Gottstreuer und Gewissenruher Ortsvorsteher Karsten Bock und Olaf Pallutt zeigten sich erfreut über den Waldenserbesuch und hießen die Gäste herzlich willkommen.
In ihrem Schlusswort sprach Cornelia Schuler die Hoffnung aus, dass sich die schwäbischen und nordhessischen Waldenser zukünftig nicht mehr aus den Augen verlieren und sich die neu geknüpften Bande weiterhin vertiefen und im Rahmen einer „offiziellen Freundschaft“ festigen mögen. Gerne werden die Weserwaldenser diesem Wunsch entsprechen.
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