Veranstaltungsreihe zum 70. Jahrestag der Deportation

Meiningen gedenkt seiner jüdischen Bürger

Meiningen (tk) - Am 09. Mai 1942 wurden 41 jüdische Bürger von Meiningen in das Ghetto Bełżyce in Polen deportiert. Keiner von ihnen kehrte wieder zurück. Zum 70. Jahrestag der Deportation hat die Stadt Meiningen nun eine Gedenkreihe eröffnet, mit der sie bis in den Monat November hinein in unterschiedlichen Veranstaltungen an die Opfer erinnern will.

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Am ehemaligen Meininger Ghettohaus in der Sachsenstraße versammelte man sich zu einem gemeinsamen Gedenkgang.

© Foto: Tina Kwiatkowski

Den Auftakt bildete eine feierliche Gedenkveranstaltung in der einstigen Schlosskirche der Elisabethenburg. Unter musikalischer Begleitung eines elektronischen Cellos, andächtig gespielt von der Meininger Cellisten Renate Kubisch, verlasen Schülerinnen und Schüler des Meininger Henfling-Gymnasiums die Namen und Schicksale aller jüdischen Bürger, die im Deportationsjahr 1942 verschleppt worden waren. Nach dem ersten Transport im Mai hatte es im September eine zweite Deportationswelle gegeben, die noch einmal 35 Meininger Juden erfasste und in das Ghetto Theresienstadt verbrachte. In seiner Funktion als zweiter Beigeordneter der Stadt richtete Otto Tischer anfänglich einige mahnende Worte an die anwesenden Gäste und betonte dabei, dass die Namen der ermordeten jüdischen Bürger von Meiningen nie vergessen werden dürften. Als Ehrengast sprach Prof. Dr. Reinhard Schramm von der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen zu den Anwesenden und kämpfte dabei so manches Mal gegen seine zitternde Stimme und die aufkommenden Tränen.

Unter den 41 Meininger Juden, die am 09. Mai 1942 deportiert wurden, waren Männer, Frauen und Kinder. Mit dem Zug wurden sie zunächst in eine Viehauktionshalle nach Weimar verbracht, von wo aus sie einen Tag später nach Polen abtransportiert wurden. Viele von ihnen waren der nationalsozialistischen „Umsiedlungsaufforderung“ widerstandslos nachgekommen, da ihnen ihr sicherer Tod gewiss war. Diejenigen, die sich zuvor nicht bereits in den Selbstmord geflüchtet hatten, sahen es nun als eine Art Trost an, wenigstens gemeinsam mit ihren Familienangehörigen sterben zu können. Doch selbst das blieb vielen verwehrt, denn die Familien wurden nicht selten in getrennten Transporten in den qualvollen Tod geschickt. Die durchschnittliche Überlebenszeit eines Juden im Konzentrationslager betrug nur neun Monate. Für die meisten der deportierten Thüringer Juden kam die Befreiung der Lager im Jahr 1945 daher viel zu spät.

Prof. Dr. Schramm erinnerte an die Verantwortung, die den heutigen Generationen aus der deutschen Vergangenheit erwächst: „Wenn wir zu wenig tun, kann sich Ähnliches wiederholen - dann eben mit anderen Tätern“. Die wichtigste Aufgabe sei heute die Wissensvermittlung. Insofern dankte er der Stadt Meiningen für ihre Gedenkreihe und ihr generelles Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

An die Veranstaltung in der Schlosskirche schloss sich ein gemeinsamer Gedenkgang der Gäste an, der vom ehemaligen Meininger Ghettohaus in der Sachsenstraße bis hin zum Bahnhof führte.

© Tina Kwiatkowski

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