Handwerk hat Ausbildungsplätze frei

Kreis Höxter (wrs) - Die Ferien haben begonnen. Für viele Jugendliche endete damit auch die Zeit an einer allgemeinbildenden Schule. Doch was kommt jetzt? Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Kiel findet es sehr bedauerlich, dass so viele Jugendliche an die Hochschulen und Universitäten streben und dem Handwerk den Rücken kehren. Vielleicht kommt der eine oder die andere als Ingenieur in einen Handwerksbetrieb, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch eher gering. Dabei gibt es auch die Möglichkeit „dual“ zu studieren, das heißt den theoretischen Hintergrund des Studiums mit den praktischen Erfahrungen in einem Handwerksbetrieb zu verbinden.

„Gerade die Handwerker in den zukunftsträchtigen Berufen brauchen Jugendliche mit einer guten schulischen Ausbildung und hervorragenden Noten in Fächern wie Mathematik, Physik oder Informatik“, so Karl-Heinz Kiel. Vor allem für Jugendliche mit einem Real- oder einem guten Hauptschulabschluss bietet das Handwerk fantastische Perspektiven. Hat man erst einmal seinen Gesellenbrief in der Tasche, ist man überall gern gesehen. Und wer hoch hinaus möchte, absolviert anschließend seine Meisterprüfung. „Mit dem Meisterbrief hat man übrigens inzwischen auch die Berechtigung zum Studium und steht auf Augenhöhe mit allen anderen Studenten. Allerdings mit dem Vorteil, dass man auch die Praxis beherrscht“, darauf weist Kreishandwerksmeister Kiel hin.

Holger Benninghoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg weiß, dass gerade die kleineren Betriebe Probleme haben, Auszubildende zu finden, denn für Jugendliche hat das Handwerk noch immer ein verstaubtes und veraltetes Image. Viele bemängeln die vermeintlich schlechtere Bezahlung oder auch die Arbeitszeiten. Den wenigsten ist bewusst, dass das Handwerk der zweitgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland ist. „Ohne Handwerk geht es nicht! Wer soll denn in Zukunft Häuser sanieren, Technik installieren, das Brot backen oder die Haare schneiden?“, sagt Benninghoff.

Deshalb kämpft das Handwerk im Kreis Höxter um jeden Auszubildenden. Insgesamt 185 Ausbildungsstellen sind in unserer Region noch unbesetzt. Zur Zeit werden vor allem Bäcker, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Maler und Lackierer, Maurer, Tischler, Dachdecker und Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klima für das jetzt beginnende Ausbildungsjahr gesucht. Dass das Handwerk gern junge Frauen einstellt, dürfte hoffentlich allen klar sein. Auch für das nächste Jahr können schon jetzt Kontakte geknüpft und Praktika vereinbart werden.

„Die Betriebe stellen in den nächsten Wochen noch gern Auszubildende ein“, sagt Kreishandwerksmeister Kiel. „Deshalb unser Aufruf an die Jugendlichen: Gebt dem Handwerk eine Chance – auch wenn es vielleicht nicht der Wunschberuf ist. Juwelen die im grauen Stein verborgen sind, erkennt man nicht gleich auf den ersten Blick.“

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