Aktionswoche der Schuldnerberatung

Warburg (wrs) - Unter dem Motto „…und plötzlich überschuldet“ steht die Aktionswoche der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) vom 30. Mai bis 3. Juni. Verschuldet, überschuldet, selber schuld: Mit diesem Vorurteil müssen viele Menschen, die in der Schuldenfalle sitzen, leben.
„Dieses Bild stimmt bei der überwiegenden Mehrheit der Ratsuchenden gar nicht“, weiß Herta Deuermeier, Schuldner- und Insolvenzberaterin der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. „Die Hauptursachen von Überschuldung sind in erster Linie Arbeitslosigkeit, Scheidung und Trennung sowie Krankheit, also Ereignisse, die aus einer kalkulierten Verschuldung eine Überschuldung machen, sagt Deuermeier und fügt hinzu: „Schulden machen, soll man ja in unserer ständig wachsenden Konsumgesellschaft, die die Verbraucher stets dazu anhält, mehr oder weniger nützliche Produkte zu kaufen.“
Geld und Schulden sind im täglichen Leben immer noch Tabuthemen. Ein offener Umgang mit diesen Themen ist selten. Und so berichten Ratsuchende oft, dass sie weder im Freundeskreis noch in der Familie über die beklemmende Situation sprechen. Sie sind mit ihren Ängsten und Nöten alleine. Viele Überschuldete müssen ihr Schamgefühl regelrecht überwinden, um sich, überhaupt an eine Schuldnerberatungsstelle wenden zu können. Oft können sie sich hier das erste Mal öffnen und über die psychisch belastende Situation sprechen – über die Angst, den Briefkasten zu öffnen; die Angst, die nächste Stromrechnung nicht zahlen zu können, die Angst, aufgrund negativer Schufa-Merkmale keine neue Wohnung zu finden.
Die soziale Schuldnerberatung setzt genau hier an. Oft zum ersten Mal können die Ratsuchenden über ihre Situation sprechen, ohne die befürchteten Vorwürfe oder mahnenden Worte zu hören. Sie entkommen endlich der sozialen Isolation. Schon dieses erste Gespräch, lässt die meisten Ratsuchenden erleichtert die Beratungsstelle wieder verlassen, meist mit einem Folgetermin.
Aus ihrer Beratungspraxis kann Herta Deuermeier die vielfältigen, positiven Wirkungen von sozialer Schuldnerberatung für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft bestätigen: „Viele Familien haben durch unsere Arbeit die finanziellen und die damit verbundenen persönlichen Krisen überwunden. Sie sind schuldenfrei, stolz das geschafft zu haben und können am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben wieder teilnehmen.“

Die Beratungsstelle der Diakonie schließt sich den Forderungen der AG SBV an: Eine auskömmliche und bedarfsgerechte Finanzierung der Beratungsstellen durch Kommunen und Land auch bei der Entwicklung und dem Ausbau von digitaler Infrastruktur und digitalen Beratungsformaten und eine kurzfristige Löschung negativer Schufa-Merkmale nach erfolgreicher Entschuldung, damit die Diskriminierung bei Arbeits- und Wohnungssuche aufhört.

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