Gespräch mit Unternehmer Ralf Pollmeier

Disput über die von der CDU verlorenen Wahlen

Creuzburg (sj) - Der politisch engagierte Inhaber der GmbH & Co.KG Sägewerk Geschäftsführer Ralf Pollmeier äußerte sich im Gespäch zu den Kommunal- und Landratswahlen vom 22. April 2012.

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Sägewerksbesitzer Ralf Pollmeier

© Foto: Christ

Hallo, Herr Pollmeier: Im Interview vor der Stichwahl für das Amt des Eisenacher OBs antworteten Sie auf die Frage: Was hat Katja Wolf, was Raymond Walk nicht hat, dass Wolf nicht die Altlasten der Eisenacher CDU hat. Warum hat aber dann die CDU insgesamt in Thüringen eingebüßt?
Antwort: Es ging bei den Wahlen um Personen, nicht so sehr um die CDU. Offensichtlich hat die CDU in den verlorenen Wahlkreisen nicht ausreichend starkes Personal aufbieten können. Darüber hinaus lassen sich DIE LINKE und die SPD weniger als früher bei Wahlen auseinander dividieren.

Frage: Die Leute sind m.E. nicht Politik verdrossen, sondern Politiker verdrossen. Welche Fehler machten und haben die Minister, die Walk in Eisenach unterstützen sollten?
Antwort: Walk hat sich nicht von Köckert und dessen Sumpf distanziert. Zu sagen, ich bin neu hier und davon weiß ich nicht viel, war zu wenig. Da helfen auch keine Ministerbesuche. Die Wähler erwarteten, dass er glaubhaft sagt: „Hier ist Einiges schlecht gelaufen, ich werde das besser machen." Dazu hätte er sich jedoch deutlich von Köckert distanzieren müssen. Man kann sich nun mal nicht waschen, ohne nass zu werden.

Frage: Meiner Meinung nach spielte Köckert mit Ausnahme bei der Bürgerinitiative TAV EE nicht die Rolle, die ihm von Ihnen und auch von anderen zugeteilt wird. Warum also nützten in Walks Wahlkampf selbst die Minister und auch die Besuche Liebknechts nichts?

Antwort: Lieberknecht und die Minister standen nicht zur Wahl. Keine Partei hat heute noch den Nimbus nach dem Motto „Die kann man wählen, da macht man nichts falsch" wie das vielleicht früher der Fall war. Darüber hinaus waren die Kandidaten entscheidend, die man aber nicht wählen wollte. Doht hatte das Vertrauen verspielt und Walk bekam es nicht - und dabei bleibe ich - weil er der CDU zu nahe war, deren Ruf durch Köckert stark gelitten hat.

Frage: Welche Fehler macht die Bundesregierung, wenn selbst die Unterstützung von Merkel für den CDU-Landratskandidaten im Landkreis Schmalkalden-Meiningen nach hinten losgegangen ist?
Antwort: Besuche von außenhalb können m.E. nur einen Trend unterstützen und nicht das Blatt wenden, alles andere ist Überschätzung. Soviel ich weiß, hat der Kandidat der CDU einfach keinen guten Wahlkampf gemacht, im Gegensatz zum SPD-Kandidaten, der sehr fleißig war.

Frage: Profitieren Sie als erfolgreicher Unternehmer von der gegenwärtigen Politik des Bundes und des Landes?
Antwort: Ich würde es anders formulieren: Unternehmen profitieren von den Strukturen in Bund und Land. Das heißt, es gibt gut ausgebildete Mitarbeiter, gute Infrastruktur, einen gut funktionierenden Beamtenapparat etc. Im allgemeinen glaube ich, dass die deutsche Politik in dieser Hinsicht ein Standortvorteil ist. Dazu haben alle Parteien einen Beitrag geliefert. Trotz aller Deppen in der Politik die landauf landab in Amt und Würden sind.

Frage: Warum unterstützen Sie dann die LINKEN, da ihre Partei doch diese Politik ändern will?
Antwort: Ich denke, die Linke ist klug genug, Bewährtes zu belassen. Ein Politikwechsel ist notwendig, um zu verhindern, dass sich Filz zu breit macht und um Verkrustungen aufzubrechen. Jede Partei, die zu lange an der Macht ist, leidet unter Filz und Verkrustung. Außerdem bin ich überzeugt, dass SPD und Linke eine Politik machen würden, die zu mehr Chancengerechtigkeit führt. Und wenn aus den jungen Talenten der nachwachsenden Generation, die jedes Land hat, mehr wird, profitieren auch die Unternehmen. Denn Unternehmen leben davon, dass Produkte gekauft werden. Vor Gewinn steht nun mal Umsatz, sprich der Verkauf. Und je mehr Leute sich mehr leisten können, umso höher ist der Umsatz und damit auch der Gewinn des Unternehmers.

Frage: Können Sie die Empörung und Verweigerung der Griechen bezüglich der EU-Finanzpolitik unter der Federführung von Merkel nachvollziehen?
Antwort: Ja. Die Griechen haben in den vergangenen Jahren auf Pump gelebt und haben deswegen die vielen Schulden. Das Schulden machen geht aber nicht weiter, weil keiner mehr Geld leihen will. Also werden Pensionen und Gehälter gekürzt, was natürlich Unzufriedenheit verursacht. Ich war vor kurzem in Griechenland und bekam persönlich viel von dem Frust zu spüren - auch von dem Frust gegenüber Deutschland und Merkel.

Frage: Wie soll das weiter gehen?
Antwort: Die griechischen Löhne und Gehälter können dauerhaft nur dann ein Niveau wie in Westeuropa haben, wenn die Unternehmen und Behörden genauso produktiv sind wie die Westeuropäer.
Vereinfacht gesagt: Wenn z.B. ein deutscher Bäcker in einer Stunde zwölf Brote backt und ein griechischer Bäcker nur zehn, kann er nur den Gegenwert von zehn Broten verdienen. In den letzten Jahren haben sich die Griechen den Wert von zwei Broten dazu geliehen, um das volle Einkommen zu haben. Das geht aber, wie wir gerade merken, nicht dauerhaft gut. Infolgedessen müssen die Griechen das Einkommen senken. Das ist schmerzhaft. Für den normalen Griechen war es nicht unbedingt leicht zu erkennen, dass man auf Pump lebt, weil Politiker die Zahlen geschönt, gefälscht und die Wahrheit verdreht haben, um gewählt zu werden. Die Quittung bekommt nun ein ganzes Volk.
Was kann man daraus lernen? Es gibt anscheinend keine kollektive Intelligenz. Bürger, ja ganze Völker wählen Menschen, die anschließend großen Schaden verursachen. Wir Deutschen haben damit unsere eigenen Erfahrungen.
Genauso wie wir ein Grundgesetz zu den Menschenrechten haben, sollte auch in Grundgesetzen definiert werden, was an Verschuldung etc zulässig ist. Damit nicht weiterhin Regierungen Länder ruinieren können.

Frage: Eine Leserin lässt fragen, warum Sie als Unternehmer die LINKE unterstützen, die doch das Privateigentum und die Ressourcen breiter verteilen wollen?
Antwort: Hier verweise ich auf meine Antwort von eben: Breitere Wohlstandsverteilung, sprich mehr Bezieher von höheren Einkommen sorgen für ein insgesamt höheres Volkseinkommen. Und je höher das Volkseinkommen ist, desto besser geht es auch den Unternehmen.

Herr Pollmeier, ich bedanke mich für das interessante Gespräch.

 

 

 

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