Mellingen befindet sich im Feier-Jahr. Vor 875 Jahren wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt: 1137. Im Staatsarchiv Weimar gibt es dazu ein Schriftstück. Mit Blick auf die 875-Jahr-Feier: Es steht noch allerhand auf dem Programm! Aktuell / demnächst: Heuer wird zum 403. Male der Kritzekrebsmarkt in Mellingen gefeiert. Im Jahre 1609 wurde dem Ort durch Kurfürst Christian dem Dritten, Vormund der Söhne des Herzogs Johann, das Marktrecht verliehen. Um dieses Ereignis gebührend begehen zu können, unternehmen die Kirmesgesellschaft und der Traditionsverein „Kritzekrebsmarkt 1609“ große Anstrengungen. Die Vorbereitungen zur Kirmes 2011 laufen derzeit auf Hochtouren. Kirmestage sind: 17. bis 20. Mai
Per Muskelkraft und zu Fuß werden die Kirmes-Fichten aus dem Wald geholt und auf den Festplatz gebracht. Dazu wurde ein besonderes „Fahrzeug“ konstruiert.
© Foto: RQFichten setzen
Am Donnerstag, 17. Mai (dieses Jahr also am Himmelfahrtstag), geht es dann traditionell per Fußmarsch in den Wald, um die Krimesfichte zu holen. Dazu wurde eigens ein entsprechender Transportwagen konstruiert. Die Fichte wird dann abends mit musikalischer Unterstützung des „Mellinger Spielmannzuges” aufgestellt…
Was sind Kritzekrebse?
Nun heißt dieser Markt seit eh und je (seit 16099 „Kritzekrebsmarkt“. Nicht nur Fremde fragen sich, was das für ein eigenartiges Tier sein soll, das da am Ufer der Ilm sein (Un-)Wesen treibt. Hier im Ilmtal nannte man den Maikäfer früher so. Als Symbol aus Blech hängt er zur Kirmes auf dem Anger.
Auch in anderen Gegenden Thüringens hatte der Maikäfer ähnliche Namen: Kreuzkäfer, Kreuzgräber. Kreuzhauer, Kreuzhäuer (bei Erfurt), Kreuzkrebs… Das „Kritze-“ ist eine gegendtypische Lautform von „Kreuz-“.
Früher war der „Kritzekrebsmarkt“ ein Jahrmarkt. Was wurde in erster Linie gekauft und verkauft? Hauptsächlich Schuhwaren, Tuche, Beutlerwaren, Leder, Strümpfe, Hüte, Band und Knopfwaren, Feuersteine und –schwämme, Körbe, Eisenwaren, Kurzwaren, Horn- und Blechwaren, Heringe, Galanteriewaren, Zuckerzeug, jeder Art, auch in Form des Kritzekrebses aus Schokolade oder Teig, und noch vieles mehr, etwa siebzig Handelswaren.
Seit der Jahrhundertwende entstand aus dem Kritzekrebsmarkt die Kirmes. Da ging es nach genauen Riten und Vorschriften zu. Planburschen und Planjungfern bildeten die Kirmesgesellschaft. Sie benannten einen Bierhahn oder Burschenvater. Der wurde von den Planjungfern zu Himmelfahrt geschmückt, bekam allerlei Larifari umgehängt und trug immer eine Gießkanne voller Bier herum.
„Plan” wurde der Bretterboden auf dem Dorfanger genannt. Er war eingegrenzt, und auf ihm durften die Planjungfern und Planburschen, die ein Tanzgeld entrichtet hatten, tanzen. Die Planmädchen wurden ausgelost. Der älteste Planbursche begann mit der Wahl seiner Planjungfer, und der Jüngste musste das nehmen, was übrig blieb. Manchmal gab es „lange Gesichter”, wenn man lieber mit einer / mit einem anderen die ganze Kirmes gefeiert hätte. Es gab aber auch erfreute Mienen… Aus solchen Planfreundschaften entstanden auch Ehen.
Leider hat sich noch keiner so recht Gedanken gemacht, wie man alte Traditionen mit heutigen Auffassungen vom Feiern verbinden könnte… Und: Nach 20 Jahren Amtszeit nimmt nun Burschenvater Bernhard Quicker seinen Hut…
Aus dem Programm
* Do, 17. Mai
Vater- bzw. Männertag, Fichtensetzen mit Ausschank ab 17.00 Uhr
* Fr, 18. Mai
19.00 Uhr: Kirmesgottesdienst
20.30 Uhr: Kirmestanz mit „Da Capo“
* Sa, 19. Mai
20.30 Uhr: Kirmestanz mit DAFEUR
* So, 20. Mai
10.00 Uhr: Frühschoppen
13.00 Uhr: Kirmesumzug durch Mellingen
14.00 Uhr: Kindertanz mit Kinderanimation „Clown Cordula“
Organisiert wird das Ganze vom Traditionsverein „Kritzekrebsmarkt 1609“ Mellingen e.V. und der Kirmesgesellschaft (Baustelle: www.kirmes-mellingen.de).
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