Umweltzone in Erfurt bringt nichts für die Umwelt

Solch ein Aktionismus hat Nachteile für ganz Thüringen

Weimar (EU) - „Ich freue mich, dass die Stadt Erfurt die Einführung einer Umweltzone vorerst verschieben will“, so der Europa-Abgeordnete Dr. Dieter-L. Koch, stellvertretender Vorsitzender des Transportausschusses im Europäischen Parlament. „Leider eben nur ‚vorerst‘. Mehrfach hatte ich meine Kolleginnen und Kollegen der Landesregierung und der Städte aufgefordert, die Einrichtung einer Umweltzone wirklich kritisch zu prüfen und nicht den Fehler nachzumachen, den andere Städte in Deutschland momentan begehen.“

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Europa-Abgeordneter Dr. Dieter-L. Koch: „Aktionismus hilft der Umwelt nicht.“ 

© Foto: EU

Und: „Ich wende mich entschieden gegen die Einrichtung einer so genannten Umweltzone in Erfurt. Diese Maßnahme ist reiner Aktionismus, der nachweislich fast keine Verbesserung für die Umwelt bringt. Sie benachteiligt willkürlich Bürgerinnen und Bürger, schadet dem Wirtschaftsstandort Erfurt und hat Nachteile für ganz Thüringen.“

Die Europäische Union hatte Grenzwerte für die Luftreinhaltung in Europa festgelegt, es aber den Verantwortlichen vor Ort überlassen, mit welchen Methoden sie für die Einhaltung dieser Werte sorgen. Sowohl Messmethoden als auch -intensitäten gingen weit über die EU-Forderungen hinaus und die für die Städte billigste Lösung seien Fahrverbote. Die Feinstaubkonzentration hänge weniger von Autos ab, als vielmehr von klimatischen Einflussfaktoren, wie vom Wind, der die Partikel aus anderen Gebieten in die Stadt trägt, von den Niederschlagsmengen, von veränderten bzw. erhöhten Heizaktivitäten sowie vom Verkehrsablauf.

Um den Ausstoß-Anteil von Fahrzeugen zu reduzieren, seien Intelligente Verkehrssysteme (IVS) die bessere Lösung, erklärte Dr. Koch, der sich im Europäischen Parlament für die europaweite Einführung von IVS einsetzt. „Mit verkehrssteuernder Technik, die z.B. zwischen der Infrastruktur und den Fahrzeugen kommuniziert und je nach Verkehrsaufkommen den Durchfluss reguliert, können wir zum einen die Emissionen reduzieren und zum anderen den Verkehr für den Bürger flüssiger machen. Da haben beide Seiten etwas davon.“ Allerdings seien auch andere Lösungen, wie Projekte zur Stadtdurchlüftung und Stadtbegrünung denkbar.

Eine Betriebsbeschränkung aber, dürfe keine Lösung sein. „Wir können nicht Handwerkern, deren Fahrzeuge im Betriebsvermögen noch lange nicht abgeschrieben sind, auf dem Weg zum Kunden im Innenstadtbereich die Zufahrt untersagen.“ Das gleiche gälte für Privatleute mit älteren Fahrzeugen. Hier sei bei ca. 35 % die Nachrüstung mit Partikelfiltern gar nicht möglich bzw. sinnvoll. Diese Fahrer würden so gestraft und weichen möglicherweise für ihre Einkäufe in Zentren auf der „Grünen Wiese“ aus. „Dabei sind es doch die Einzelhändler, die unsere Innenstädte beleben und händeringend auf Kunden warten. Wir dürfen unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht kaputt machen.“

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