Bad Sulza (HM/haw/JN) – „Der Beton der Bodenplatte das Goethe-Gartenhauses Nr. 2 unterhalb der Toskana Therme in Bad Sulza an der Ilm ist ausgehärtet. Die Montage hat begonnen. Mit den drei traditionellen Hammerschlägen durch Klaus-Dieter Böhm (Käufer der Kopie des Gartenhauses sowie des dazu notwendigen Grund und Bodens) und dem Absenken der Hülse mit Botschaften für die Nachwelt ist am Freitag, dem 14. Juni 2002 in der Mittagsstunde, der offizielle und historische Akt vollzogen worden: Die Kopie des Goethe-Gartenhauses wird spätestens zum Geburtstag Goethes in Bad Sulza stehen und ein neuer Ort für Begegnungen werden.“ So wurde es vor 10 Jahren verkündet! So ist es geworden.
Goethe wünschte sich ehemals ein kleines Häuschen vor Ort in Sulza. Klaus-Dieter Böhm hat den Wunsch des Dichterfürsten in Bad Sulza erfüllt. Vor zehn Jahren – am 14. Juni 202 - wurde das Fundament für das Goethe-Gartenhaus Nr. 2 gegossen und eine Kupferhülse im Fundament hinterlegt. NICHT vergessen ist das Ansinnen „kultureller Kreise“ in Weimar, die Gartenhaus-Kopie durch einen Schredder zu jagen. Wollte man damit ein Stück Kultur und vielfache Begegnungen im Europäischen Kulturstadtjahr 1999 winzig klein erscheinen lassen?
© Foto: Foto-Studio-Neumann, ApoldaGoethe war hier!
Johann Wolfgang von Goethe soll in Thüringen längst eine „Toskana des Ostens” erkannt haben. Nach seinen Italien-Reisen (1786 Ankunft in Rom, 1788 Abreise und Tagebuch Italienreise) war der Dichter prädestiniert, bei seinem Besuch im August 1828 in Sulza einen Vergleich zu wagen.
Er war damals auch Minister im Lande Sachsen-Weimar-Eisenach. (Großherzog Carl August war sein Freund.) Mit dem Reisewagen kam Goethe von Dornburg herüber nach Stadtsulza. Sein Besuch galt u.a. der Saline. Der Staatsminister und Geheimrat rühmte die würzige Luft, Er erinnerte sich der Empfehlung, eine Kuranstalt zu errichten (was mit der 1830 erbohrten Dorfmühlenquelle realisiert wurde). Gegen 1847 wurde in Sulza offiziell zum Kurbesuch eingeladen.
Erfüllter Wunsch
Goethe wünschte sich damals ein kleines Häuschen vor Ort. Dem Kulturmanager Klaus-Dieter Böhm war es vorbehalten, den Wunsch des Dichterfürsten (nun) in Bad Sulza zu erfüllen.
NICHT vergessen sind die gescheiterten (teils halbherzigen) Bemühungen der Stadt Weimar, das zweite Gartenhaus, die Kopie, nach Japan oder der Geburtsstadt Goethes nach Frankfurt/Main zu verkaufen. NICHT vergessen ist auch das Ansinnen, die Gartenhaus-Kopie durch einen Schredder zu jagen. Wollte man damit ein Stück Kultur und vielfache Begegnungen im Europäischen Kulturstadtjahr 1999 winzig klein erscheinen lassen?
Spätesten am Freitag, 14. Juni 2002, wendete sich alles zum Guten: In der Kupferhülse, die im Fundament vergossen wurde, befindet sich u.a. ein böhmischer Achat, ein Edelstein, ein Glücks- und Ideenbringer.
Die Vision damals: Das Goethe-Gartenhaus an der Ilm (Bad Sulza) soll mit vielen Veranstaltungen den Geist des Wunderbaren atmeen... Das hat sich nach dem ersten Jahrzehnt längst erfüllt!
Vielfältig genutzt
Das Goethe-Gartenhaus ist als Museum in den Monaten April bis Oktober von Dienstag bis Donnerstag von geöffnet in der Zeit von 12.00-16.00 Uhr. Beliebt ist es auch für Hochzeiten. Etwa 30 Trauungen werden hier durch das Standesamt Bad Sulza vollzogen. Ein beliebtes Foto-Motiv ist der charakteristische „Stein des Guten Glücks“. Sehr empfehlenswert für Sonderveranstaltungen für Firmen und Rahmenprogramm während der Tagung im Center der Toskana Therme. Wechselnde Ausstellungen gibt es im Dachgeschoss. Hier hat kürzlich auch die Karawane des Apoldaer Oldtimer-Schlosstreffens einen Stopp eingelegt. Im Rahmen des MDR-Musiksommers am 3. August dieses Jahres ist bereits ein Konzert angekündigt. Bereits Tradition ist das Sommerfest der Apoldaer Avantgarde. Dieses Jahr am 25. August.
Stein für die Stein
Der „Stein des Guten Glücks“ oder „Altar der Agathe Tyche“ - so heißt das Denkmal, das Johann Wolfgang von Goethe zu Beginn des Jahres 1777 in den Ilmwiesen zu Weimar setzen ließ.
Seine Form war denkbar einfach: eine Kugel, die auf einem mächtigen Quader sitzt. Hier, ganz in der Nähe seines damaligen Wohnhauses, dem Gartenhaus, steht das Denkmal noch heute. Für den 28-jährigen Goethe hatte es eine ganz persönliche Bedeutung: Er war ein Jahr zuvor von Frankfurt nach Weimar berufen worden und hatte hier eine wunderbare Frau kennengelernt: Charlotte von Stein.
Eine „Seelenfreundin“, die auf sein schwankendes, unruhiges Temperament einen besänftigenden, mäßigenden Einfluss ausübte. Die ihn, der sich „wie ein Ball, den eine Stunde der anderen zuwirft“, fühlte, zur Ruhe und Klarheit anhielt. Das Denkmal war ein Geburtstagsgeschenk für Frau von Stein.
Seine Bedeutung des Denkmals erklärt sich durch die Widmung an „Agathe Tyche“, die Göttin des Zufalls, die in der Antike häufig als Beschützerin des Glücks einer Stadt verehrt wurde.
Natürlich gibt es auch am Goethe-Gartenhaus in Bad Sulza einen „Stein des Guten Glücks“. Sonst wäre wohl der „Geist des Ortes“ weniger vollkommen.
Launisches Glück
Die Göttin Tyche ist hier jedoch nicht als Person dargestellt: Goethe wählt für sein Denkmal eine explizit symbolische Formensprache. Sie geht auf Sinnbilder zurück, die schon seit der Renaissance bekannt waren. Danach verkörpert der solide, steinerne Block Stabilität und Beständigkeit, auch die Unbestechlichkeit der Justizia. Die Kugel dagegen gehört zu dem Bereich des launischen Glücks, der Labilität, der ruhelosen Bewegung. Werden diese beiden gegensätzlichen Elemente miteinander kombiniert, so heben sie sich nicht etwa gegenseitig auf: Nein, sie verstärken einander und erzeugen so ein Gebilde mit einer neuen - doppelsinnigen - inhaltlichen Aussage. Die einander widerstrebenden Kräfte streben jetzt nach Ausgleich.
Sagen die Experten.
War es „ein Bekunden seiner Liebe zu Charlotte von Stein“? Oder ein Ausdruck seines Glücks am eigenen Haus und Garten?
Christiane in Grün
Sie sind nicht zu übersehen! In Bad Sulza. Auch als grüne Moos-Skulpturen sind sie auf Anhieb zu erkennen: Goethe & Christiane! Die nicht standesgemäße Liebe der beiden erhitzte seinerzeit die Gemüter des herzoglichen Hofes in Weimar. Nun erfreut ihr unkonventionelles Denkmal die Besucher des Goethe-Gartenhauses Nr. 2 in Bad Sulza. In der Nr. 1 verfasste Goethe große poetische Werke wie „Iphigenie auf Tauris“. Und er nutze es als Liebesnest für sich und Christiane, die erst seine Geliebte und später die angetraute Gemahlin war. Wer heute den Bund fürs Leben schließen will, ist an diesem Ort ebenfalls an der richtigen Adresse: Das Goethe Gartenhaus ist offizielle Außenstelle des Bad Sulzaer Standesamtes. Strahlend junge Brautpaare samt edel gewandeten Festgesellschaften lieben das Ambiente im und am Gartenhaus und lassen sich besonders gern neben Goethe & Christiane in Grün fotografieren.
„Literarischer Salon“.
Nun soll der ebenso idyllische Ort erneut Schauplatz lebendigen literarischen Lebens werden. Der Thüringer Fernseh- und Internetsender Salve.tv plant in Zusammenarbeit mit namhaften Verlagen einen „Literarischen Salon“. Ob er das Zeug hat, in die großen Schuhe der mit Marcel Reich-Ranickis legendär gewordenen „Literarischen Quartetts“ zu steigen, wird die Pilotsendung zeigen. An Inspiration durch den Geist des Ortes dürfte es jedenfalls nicht mangeln.
Für die Macher der Sendung bietet die Bad Sulzaer Gartenhaus-Kopie gegenüber dem Weimarer Original den unschätzbaren Vorteil, dass sich Talk-Gäste und Kamerateam hier so ungezwungen bewegen können wie es Goethe und Christiane seinerzeit auch durften. Bauwerk und Möbel standen zu ihren Lebzeiten nicht unter Denkmalschutz, auch war das Berühren von Schreibtisch, Bett und Kommode keineswegs verboten. Bleibt zu hoffen, dass Goethe und Christiane wohlwollend auf den Sturm und Drang der modernen Zeit schauen, und sei es mit einem Zwinkern in den moosgrünen Augen.
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