Kunstsammlung Gera bewahrt über 300 Gemälde und Grafiken des Geraer Künstlers

Zum 100. Geburtstag von Rudolf Schäfer

Gera (sv) - Der Geraer Maler und Grafiker Rudolf Schäfer wäre am 9. Mai 100 Jahre alt geworden. Dank großzügiger Schenkungen der Witwe des Künstlers, Liselotte Schäfer geb. Sauter (1914–2007), die der Stadt Gera umfassende Teile des künstlerischen Nachlasses übergab, hat die Kunstsammlung Gera über 300 seiner Gemälde und Grafiken in ihrem Bestand. Damit haben die städtischen Museen die Möglichkeit, in thematischen Sammlungsausstellungen vielfach auf sein eigenständiges und für die Ostthüringer Region bedeutungsvolles Gesamtwerk verweisen zu können.

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Rudolf Schäfer, Doppelbildnis Rudolf und Lilo, 1933, Öl, 45,5 x 37 cm

© Quelle: Kunstsammlung Gera

Gegenwärtig präsentiert die Kunstsammlung in ihrer Ausstellung „Männerwelten. Begegnungen in der Sammlung“ Arbeiten von Rudolf Schäfer, weitere sind in der aktuellen Schau „Erkundungen im Elstertal - Dix und Geraer Künstlerfreunde“ des Museums für Naturkunde der Otto-Dix-Stadt zu sehen. Die Kunstsammlung plant zudem für 2013 eine ausführliche Schäfer-Exposition mit begleitender Publikation.

Rudolf Schäfer wurde am 9. Mai 1912 in Gera geboren. Im bürgerlichen Elternhaus wird die musische Entwicklung frühzeitig gefördert, so ist der Junge bald musikalisch wie bildkünstlerisch gleichermaßen begabt. Als 18-Jähriger übt er sich intensiv im zeichnerischen Studium von Landschaft und Figur. Seine Malerei ist an der Neuen Sachlichkeit orientiert, so wie sie von Kurt Günther (1893–1955) in Gera eingeführt wurde. Diese frühen Arbeiten sind naiv, selbstbewusst, kritisch und zeigen, wie sehr er um künstlerische Ausdrucksmittel ringt. Folgerichtig beginnt Rudolf Schäfer 1933 in Leipzig an der Kunstakademie bei den Professoren Horstschulze, Kolbe und Héroux sein Studium für Malerei und Grafik. Eine einprägsame Studienreise mit Fahrrad, Zelt und Staffelei führt ihn 1936 nach Italien. Er wird Meisterschüler von Professor Horstschulze und fertigt mit ihm das erste Fresko „Die Meistersinger“ in Garmisch-Partenkirchen an. Noch im gleichen Jahr entsteht ein Fresko in Gera am Haus an der Eibe 1. Ab 1937 setzt Schäfer sein Studium an der Akademie in München fort, will aber nicht in den NS-Studentenbund eintreten und verlässt München bereits 1938 wieder. Im Süddeutschen Raum entstehen Auftragswerke. Während seiner Leipziger und Münchner Jahre macht sich der junge Student mit den Techniken der Malerei und Grafik bestens vertraut und wendet diese in Gemälden, Fresken sowie in zahlreichen eindrucksvollen Radierungen an.

1940 wird er als Soldat eingezogen und im Nachrichtendienst sowie als Dolmetscher eingesetzt. Auch während dieser Zeit entstehen Porträt- und Landschaftsstudien. Nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg baut er ab 1946 sein Atelier in Geras Nikolaistraße 12 aus. Von nun an nimmt Schäfer als freischaffender Künstler regelmäßig an allen regionalen Ausstellungen teil. Das Werk des Malers und Grafikers wird durch eine öffentliche Auftragskunst und eine private Bild-Welt geprägt. Große Auftragswerke der Malerei und baugebundener Arbeiten entstehen in den 1950er und 1960er Jahren. Dabei beweist Schäfer seine Fähigkeit, klar und eindeutig zu komponieren. Die Verbundenheit zu den arbeitenden Menschen und zu seiner näheren Heimat wird in diesen malerisch soliden und sachlichen Werken anschaulich dargestellt. Das Experiment tritt dabei lediglich im Pinselduktus und im Farbauftrag in Erscheinung. Die Landschaft an der Weißen Elster, die Vorstadt, die neuen Baustellen sind für den Maler immer wieder anregende Motive. Lebendig, stimmungsvoll, aufmerksam registrierend - ganz in Ostthüringer Tradition, wie etwa in der Malerei von Paul Neidhardt (1873–1951) und Hermann Paschold (1879–1965) - sind diese Arbeiten auch historische Zeugnisse, die auf Veränderungen im städtischen und vorstädtischen Gebiet hinweisen. Seine Werke sind dauerhaft am gegenständlich-figurativen orientiert, so wie es auch in den großen Kunstausstellungen in Dresden bei Rudolf Bergander (1909–1970), Otto Griebel (1895–1972) und Kurt Querner (1904–1976) zu sehen war.

Die gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen gibt der Künstler als Zirkelleiter im Geraer Modedruck, als Lehrer am Gymnasium und als Restaurator für die Geraer Museen weiter. Im grafischen Bereich erscheinen zahlreiche Pressezeichnungen und Illustrationen zu Heimatgeschichtlichen Beiträgen. Rudolf Schäfer starb am 14. August 1973 nach schwerer Krankheit in Gera.

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