Gotha (w. gleichmar ) - Das Warten hat ein Ende. Gestern gegen 17.30 Uhr klingelte bei Mario Hochberg das Telefon – am anderen Ende meldete sich eine Mitarbeiterin des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und sagte die ersehnten drei Worte: „Du bist dabei!“
Auf dem Foto ist Mario Hochberg bei der Sport-Gala 2012 des Landkreises Gotha zu sehen, Bob-Olympiasieger Dietmar Schauerhammer (l.) zeigt bei der Auszeichnung mit dem Daumen nach "oben".
© Foto: gleichmarIm Klartext: Der querschnittsgelähmte Kraftsportler, der für Basketball in Gotha startet, hat ein Last-Minute-Ticket für die Paralympics 2012 in London (29. August bis 9. September) gelöst. Zwar hatte der 41-Jährige die Norm für das Bankdrücken in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm verfehlt – 205 Kilogramm hatte der nationale Verband gefordert, Mario Hochberg scheiterte zweimal knapp an diesem Gewicht und galt bis gestern als „Wackelkandidat“. Dennoch wurde er jetzt von der Kommission des Nationalen Paralympischen Komitees für das Sportspektakel an der Themse nominiert. Dort kann er in wenigen Wochen seine vierten Paralympics nach Sydney (2000), Athen (2004) und Peking (2008) in Angriff nehmen. Die beste Platzierung erzielte der Gothaer vor vier Jahren in China, als er 210 Kilogramm meisterte, seine persönliche Bestleistung einstellte und in der Gewichtsklasse über 100 Kilogramm Rang fünf belegte. Gut möglich, dass diese Erfolge und Erfahrungen eine Rolle spielten oder vielleicht sogar den Ausschlag gaben – detailliert begründet wurde die Entscheidung jedenfalls nicht. Freilich war das für Mario Hochberg letztlich auch weniger interessant als der Fakt an sich: „Ich bin dabei und einfach glücklich, dass es doch noch geklappt hat!“ Zum Team des DBS für die Paralympics 2012 zählen insgesamt 150 Sportler (88 Männer, 62 Frauen). Während für die Wettbewerbe in der Leichtathletik die meisten Teilnehmer nominiert wurden (insgesamt 33), ist Mario Hochberg in London der einzige Kraftsportler aus Deutschland, der im Gewichtheben (Bankdrücken) an den Start geht. Sein Wettkampf steht am 7. und 8. September auf dem Programm. Heute in den Morgenstunden verabschiedete sich Mario Hochberg jedoch erstmal nach Teneriffa. Dort macht er mit Ehefrau Melanie und Sohnemann Hans ein paar Tage Urlaub, ehe er in die heiße Phase der Vorbereitung startet. „Weil die Entscheidung noch offen war, habe ich bis jetzt so trainiert, als wäre ich definitiv in London dabei, gleichzeitig aber auch den Urlaub geplant“, sagte Mario Hochberg kurz vor dem Abflug. „Die Grundlagen sind also da, die Form ist gut, ich freue mich wahnsinnig auf die Spiele!“ Was er sich für London vorgenommen hat? „Dabei sein ist alles – in diesem Jahr mehr als je zuvor. Deshalb möchte ich in erster Linie einen gescheiten Wettkampf abliefern und meine Nominierung rechtfertigen. Aus Erfahrung weiß ich, dass bei Paralympics alles möglich ist: vor allem im positiven, aber auch im negativen Sinne...“
Hinweis: Ein ausführlicher Bericht über Mario Hochberg und den Tag der Nominierung wird am morgigen Montag im „Thüringen Journal“ des MDR (19.00 Uhr bis 19.30 Uhr) ausgestrahlt.
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