Bad Colberg-Heldburg (wotan) - Am 16. März 2012 fand in der Stadtkirche Heldburg die Festveranstaltung anlässlich des 1175-jährigen Stadtjubiläums unter Teilnahme zahlreicher Lokal- und Landes-Politikprominenz statt.
Die Stadtkirche „Zu unseren Lieben Frauen“ Heldburg war zur Festveranstaltung bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Besucher nahmen vor 18.00 Uhr die Gelegenheit wahr, die Arbeiten des Heldburger Malers und Grafikers Alfred Ehrhardt zu betrachten. Der am 30. März 1939 in Heldburg geborene Künstler besuchte von 1953 bis 1958 die Oberschule in Hildburghausen und arbeitete nach Abschluss seines Studiums in Dresden als freischaffender Künstler in Ilmenau, wo er bis zur Wende die Arbeitsgemeinschaft Malerei und Grafik an der Technischen Hochschule leitete. Zwei Italienreisen prägten sein spätes künstlerisches Schaffen. Am 27. Mai 2008 verstarb Alfred Ehrhardt nach langer schwerer Krankheit in Ilmenau. Er hinterließ der Nachwelt ein umfangreiches künstlerisches Schaffen, bestehend aus Zeichnungen, Pastellen, Collagen und Druckgrafiken.
Das Jubiläums-Festprogramm eröffneten um 18.00 Uhr die Turmbläser Heldburg, denen ein Filmbeitrag aus dem Heldburger Kindergarten folgte. Es rief Schmunzeln hervor, was die Kleinen schon alles über das Leben in Heldburg und auf der Veste vor über 1000 Jahren wussten. Auf kindliche Art versuchten sie zu erklären, wie die Heldburger zu ihrem Beinamen „Spiesser“ (die mit den Spießen umgegangen sind) kamen.
Bürgermeisterin Anita Schwarz begrüßte die zahlreichen Gäste der Festveranstaltung, an der Spitze der Ehrengäste Thüringens Innenminister Jörg Geibert. Der Männerchor Heldburg sang das „Bundeslied“, Pastorin Sylvia Graf vom Kirchspiel Heldburg sprach Grußworte und die Turmbläser Heldburg hatten ihren zweiten Auftritt.
Festredner Dr. Johannes Mötsch, Direktor des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen gab einen historischen Abriss der Geschichte Heldburgs und der untrennbar damit verbundenen Veste Heldburg. Im Jahr 837 wurde Heldburg erstmals urkundlich erwähnt und erhielt 1394 das Staatsrecht. Die Veste als Wahrzeichen der Stadt fand 1317 zum ersten Mal urkundliche Erwähnung und warnte bei Gefahr mit Feuerzeichen bis zur Veste Coburg, was ihr den Beinamen „Fränkische Leuchte“ eingetragen hat.
Durch Heirat kam die Veste an die Wettiner, in deren Besitz sie bis 1920 geblieben ist. Ab 1560 ließ Johann Friedrich der Mittlere die Burg zur herzöglichen Residenz ausbauen und den „Französischen Bau“ im Renaissancestil errichten. Für die Stadt Heldburg waren die Jahre 1628 bis 1648 die Schlimmsten in der Geschichte, als im Dreißigjährigen Krieg Heere der Kriegsparteien die Region verwüsteten und ausplünderten. Auch die Veste verfiel ab Ende des 17. Jahrhunderts und wurde erst 200 Jahre später durch Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen wieder restauriert. Von 1954 bis 1982 ist die Veste Heldburg zu DDR-Zeiten als Kinderheim genutzt worden, bis 1982 ein Großbrand den Französischen Bau vernichtete.
Seit 1994 befindet sich die Burganlage in Besitz der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und wird ab 2015 das Deutsche Burgenmuseum beherbergen.
Nach dem Beitrag des Kirchenchores Heldburg „Es steht eine Veste im Heldburger Land“ nahm Innenminister Jörg Geibert das Wort. Er habe vor der Festveranstaltung die Veste besucht und sich die historischen Gebäude der Stadt angesehen. Hier hätte der Spruch von den „blühenden Landschaften“ Realität angenommen, in den letzten zwei Jahrzehnten sei viel geleistet worden. Die Region könne auf eine günstige Arbeitslosenquote verweisen, die Menschen wären mit der Region fest verbunden. Landrat Thomas Müller stellte die Frage in den Raum, wie die Zukunft der Veste Heldburg nach der teilweisen Zerstörung durch den Brand 1982 wohl ohne die Wende ausgesehen hätte?
Der Bürgermeister von Seßlach und Vorsitzender der Initiative Rodachtal, Hendrik Dressel, verwies darauf, dass die 1150-Jahrfeier noch getrennt begangen werden musste, weil Minen und Stacheldraht die fränkische Heimat teilten.
Ein emotionaler Höhepunkt war der Auftritt der Kindergartenkinder. Sie ließen bunte Luftballons steigen und verteilten selbstgebastelte Geschenke.
Nach dem Segen der Pastorin lud Anita Schwarz in den Stadtsaal ein.
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