Notunterkunft Flüchtlinge in Uslar - Im ehemaligen Albert-Schweitzer-Krankenhaus

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Michael Lemmel (Niedersächsischen Innenministerium), Bürgermeister Torsten Bauer, Sven Rust (ASB) und weitere Vertreter der Politik, Polizei, des Katastophenschutzes und der Wohlfahrtsorganisationen informierten über die Notunterkunft für Flüchtlinge in Uslar.

© Foto: Junginger

Uslar (cj) – An diesem Wochenende werden die ersten 124 Personen für die Aufnahme in der Uslarer Notunterkunft im ehemaligen Albert-Schweitzer-Krankehaus erwartet. Gegen diesen Hintergrund hatte Bürgermeister Torsten Bauer zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen.

Viele Bürger waren der Einladung ins Alte Rathaus gefolgt, um mehr über das Vorhaben zu erfahren und um ihre Erwartungen und Bedenken zu äußern. Vertreter aus der Politik, von der Polizei und von Wohlfahrtsorganisationen informierten über die Art der Unterkunft und die Hintergründe bei der Entscheidungsfindung, über die zu erwartenden Flüchtlinge, die voraussichtlichen Dauer ihres Verbleibs, über sicherheitsrelevante Aspekte sowie über die Trägerschaft, Kosten, Betreiber und über Erfahrungen aus anderen Notunterkünften.

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Die Bürger nutzen die Gelegenheit, um ihre Fragen, Erwartungen oder Sorgen zu formulieren und um Ideeen und Erfahrungen einzubringen.

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Michael Lemmel, zuständig im Niedersächsischen Innenministerium für Flüchtlinge, erläuterte, dass das Land täglich eine bestimmte Kontingente Flüchtlinge, die in Bayern ankommen, aufnehmen muss. Wie viele Menschen jeweils untergebracht werden müssen, wird bei der täglichen Lagebesprechung bekanntgegeben. Für die jeweils Unterzubringenden hat das Land die Kommunen um Amtshilfe ersucht. Für Notunterkünfte übernimmt das Land die gesamten Kosten. Da der Verbleib in einer Notunterkunft nur von kurzer Dauer sein soll, wurde auch das Gebäude in Uslar vorläufig nur für ein Jahr angemietet. Die Begehungen im Vorfeld hatten ergeben, dass das ehemalige Albert-Schweitzer-Krankenhaus - mit nur wenig Aufwand im Brandschutz - zur Notunterkunft umgewandelt werden kann. Als Betreiber konnte der Arbeiter Samariter Bund (ASB) Niedersachsen gewonnen werden.
Der ASB Niedersachsen hat mit der Flüchtlingsunterbringung Erfahrung und betreibt bislang 12 Einrichtung. Die Uslarer Einrichtung ist die 13. und soll für 400 bis 450 Personen ausschließlich als Notunterkunft dienen. D.h. jeweils für die Dauer von nur wenigen Tage oder Wochen. Erwartet werden vor allem Flüchtlinge aus Irak, Syrien, Afghanistan und aus dem Libanon.
Heinrich Hörnschemeyer, Leiter von dem seit 70 Jahren durch die Caritas betriebenen Grenzdurchgangslager Friedland erklärte, dass die Verwaltungsaufgaben für die Notunterkunft in Uslar durch Friedland erledigt werden. Hierzu gehört die Registrierung. Auch die medizinische Eingangsuntersuchung, ggf. eine Nachuntersuchung und die Impfungen erfolgen unter Verantwortung der Einrichtung in Friedland. Die Flüchtlinge erhalten ein kleines Taschengeld (80 bis 140 Euro) sowie einen Gutschein für Bekleidung (15 – 30 Euro) und sie bekommen eine Fahrkarte zur Anreise in ihre Unterkunft. Bei der Verteilung der Flüchtlinge werden, so möglich, enge verwandtschaftliche Beziehungen berücksichtigt.
Sven Rust (Gesamtleitung ASB-Flüchtlingsunterkünfte Niedersachsen) wies darauf hin, dass sie als Betreiber sehr gute Erfahrungen mit der Einbindung der Flüchtlinge in die bestehende Infrastruktur haben, z.B. durch Sprachkurse für Kinder und Erwachsene, Engagement von Ehrenamtlichen oder Kooperationen mit Sportvereinen. „In der Uslarer Einrichtung soll auf jeden Fall ein Kinderzimmer mit Kinderbetreuung entstehen. Die größeren Kinder gehen während der Betreuungszeit der Kleinen zum Unterricht. Auch Ortskunde ist wichtig – gerade für Erwachsene. Für den Sicherheitsdienst bauen wir auf Mitarbeiter mit breiten Sprachkenntnissen. Diese werden durch die Bewohner oft als Anlaufpunkte angenommen.“

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Die Fachleute standen den Bürgern Rede und Antwort zum Thema Flüchtlinge in Uslar.

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Die kritischen Fragen und Bemerkungen aus den Reihen der Bürger waren ganz unterschiedlicher Art. Beginnend bei der Unzufriedenheit darüber, dass so spät über das was in Uslars Innenstadt geschieht informiert wurde. Eine Frage bezog sich auf den Verbleib der Krankenakten aus dem ehemaligen Krankenhaus. Wo die Akten in Zukunft untergebracht werden, ist noch ungeklärt. Andere Fragen betrafen vermeintliche Mentalitätsunterschiede, eine gefühlte Gefährdung durch Fremde und Fragen zur Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung, Haftungsfragen und ob in Uslar nachts wieder die Straßenbeleuchtung angeschaltet wird. Andere Uslarer reagierten direkt und vermittelnd auf latente Ängste aus den Bürgerreihen mit eigenen, persönlichen Erfahrungen. Ein Bürger erinnerten daran, dass es in Uslar schon lange Flüchtlinge gibt und dass sich hier bereits sehr viele Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren: „Eine Notunterkunft ist es, weil das Land in Not ist. Es ist wie es ist und dabei sollten wir pragmatisch sein.“ Zwei ehemalige Mitarbeiter des Uslarer Krankenhaus bezweifelten, dass das Gebäude (damals 80 Betten) eine menschenwürdige Unterbringung für 400 Flüchtlinge bieten kann.

Auf die Fragen wurde adäquat, entsprechend der Lage, auf Basis der eigenen Aufgaben und Erfahrungen sowie auf Basis unseres gemeinsamen Wertekanons (orientiert am Grundgesetz) reagiert. Die Polizei, der Brandschutz und die Wohlfahrtsorganisationen sind jedenfalls für alle Einwohner da – ungeachtet von Herkunft, Religionszugehörigkeit oder … und mehr.
Interessant waren zum Thema „Verträglichkeit der örtlichen Bevölkerung und der Flüchtlinge“ die Erfahrungen von Sven Obermann, ASB-Leiter der Notunterkunft in St. Andreasberg. Hier sind mehr Flüchtlinge untergebracht, als dass es Einwohner gibt. Auch in St. Andreasberg habe es anfänglich bedenken gegeben. Die haben sich gelegt. Obermann vermittelte einen sehr friedlichen, angenehmen Eindruck vom Zusammenleben der örtlichen Bevölkerung und der Gäste in St. Andreasberg. „Sogar das Ausbildungszentrum für Dachdecker ist an uns herangetreten und führt jetzt Deutschkurse durch. Und für die Koordination der Ehrenamtlichen soll nun sogar ein Koordinator eingestellt werden“, berichtete Obermann.
In der Uslarer Notunterkunft sind unter Leitung von Herrn Arndt ehrenamtliche Helfer genauso willkommen – beispielsweise für die Kleiderkammer, als Dolmetscher, für Deutschkurse – an kreative Ideen sind da keine Grenzen gesetzt. Aber auch Spenden werden gerne entgegen genommen.
Bodenfeldes Bürgermeister überschlug in einer kurzen Kostenrechnung den wirtschaftlichen Zuwachs, den die Notunterkunft der Stadt bringen müsste – auch das ist nicht unerheblich.
Der ASB schafft in Uslar derweil 30 neue Arbeitsplätze. Auf der Homepage der Stadt Uslar stehen weitere Informationen sowie ein Link zu den Stellenausschreibungen. Gesucht werden Erzieher, Sozialarbeiter, Küchenhilfe und mehr.

 

 

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